Kurze Zusammenfassung
Die Zitrone (Citrus limon) ist die Frucht eines immergrünen Baumes aus der Familie der Rautengewächse (Rutaceae) und zählt zu den weltweit verbreiteten Zitrusfrüchten.
Verwendet werden Fruchtfleisch, Saft und Schale. Diese unterscheiden sich stofflich erheblich: Die Säure sitzt im Saft, das ätherische Öl in der Schale.
Für die Einordnung wesentlich sind die Furocumarine der Schale. Die zuständige EU-Behörde hat Zitrusöle unter diesem Gesichtspunkt bewertet und kam für Hunde und Katzen zu einem bemerkenswerten Ergebnis. Einzelheiten im entsprechenden Abschnitt.
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.
Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin, unseren Beraterinnen und unserer Tierärztin Katrin Knecht erstellt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Botanisch gehört Citrus limon zur Familie der Rutaceae. Die Art gilt als Kreuzungsprodukt und ist mit Bitterorange, Limette, Mandarine und Süßorange nah verwandt – deren Öle behördlich getrennt bewertet werden.
Für die Einordnung entscheidend ist die Unterscheidung der Erzeugnisse. Die zuständige EU-Behörde behandelt kaltgepresstes Zitronenöl, dessen destillierte Fraktion und wässrigen Zitronenextrakt jeweils getrennt – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Kaltgepresstes und destilliertes Öl sind nicht dasselbe: Furocumarine gehen bei der Destillation nicht mit über.
FAQ
Was ist die Zitrone?
Die Frucht des Zitronenbaums (Citrus limon) aus der Familie der Rautengewächse.
Welche Inhaltsstoffe enthält die Zitrone?
Zitronensäure, Vitamin C, Flavonoide wie Hesperidin, Pektine sowie ätherisches Öl in der Schale mit Limonen als Hauptbestandteil.
Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Fruchtfleisch, Saft und Schale – sie unterscheiden sich stofflich deutlich.
Was sind Furocumarine?
Natürliche Bestandteile der Schale, die lichtempfindlich machen können. Einzelheiten weiter unten.
Ist kaltgepresstes Zitronenöl dasselbe wie destilliertes?
Nein. Bei der Destillation bleiben die Furocumarine zurück.
Botanische Beschreibung
Der Zitronenbaum ist ein immergrüner Baum oder Strauch aus der Familie der Rutaceae und erreicht Wuchshöhen von etwa drei bis sechs Metern.
Ursprünglich stammt die Zitrone aus Asien, vermutlich aus dem nordöstlichen Indien oder angrenzenden Regionen. Heute wird sie in warmen und subtropischen Klimazonen kultiviert. Sie ist gegenüber Trockenheit und Kälte empfindlicher als manche andere Zitrusart und wird in Mitteleuropa deshalb meist im Kübel gehalten.
Die Blätter sind dunkelgrün, ledrig und oval; die weißen bis rosafarbenen Blüten verströmen einen charakteristischen Duft.
Botanisch ist die Frucht eine Beere. Ihre Schale trägt zahlreiche Öldrüsen – daraus wird das ätherische Öl gewonnen.
Inhaltsstoffe
Zitronensäure
Die bestimmende organische Säure des Safts und Namensgeberin der Verbindung.
Vitamin C
Ein Bestandteil des Fruchtfleisches. Zu beachten ist, dass Pferd, Hund und Katze Vitamin C – anders als der Mensch – selbst bilden können.
Ätherisches Öl der Schale
Bestimmt von Limonen, das in der Fachliteratur mit Anteilen um zwei Drittel bis siebzig Prozent angegeben wird. Daneben Citral, das den typischen Zitronenduft trägt – dieselbe Verbindung, die auch Melisse und Citronella prägt.
Flavonoide
Unter anderem Hesperidin, Neohesperidin, Naringenin und Rutin. Sie sitzen überwiegend in der Schale und in den weißen Innenhäuten.
Furocumarine
Bestandteile der Schale, die in der behördlichen Bewertung eigens betrachtet werden. Siehe den folgenden Abschnitt.
Pektine und Mineralstoffe
Pektine als Ballaststoffe, dazu Kalium.
Futtermittelrechtliche Einordnung in der EU
Das zuständige EFSA-Gremium hat 2021 kaltgepresstes Zitronenöl, seine Fraktionen sowie Limettenöl als sensorische Zusatzstoffe bewertet. Zwei Bestandteile standen dabei im Mittelpunkt: die Furocumarine und das Perillaldehyd.
Für Nutztiere, die ohnehin Zitrus-Nebenprodukte im Futter erhalten, sah das Gremium keine nennenswerte zusätzliche Aufnahme. Für Heimtiere, die normalerweise keine Zitrus-Nebenprodukte bekommen, konnte es dagegen keine Schlussfolgerung ziehen.
Das ist eine bemerkenswerte Konstellation: Nicht ein niedriger Wert, sondern das ausdrückliche Fehlen einer Einstufung – dieselbe Kategorie wie bei Kümmelöl und Katzen.
Für Pferde nennt das Gremium einen Wert von 137 Milligramm je Kilogramm Alleinfutter. Für Katzen weist es zusätzlich darauf hin, dass die Ausscheidung der Ölbestandteile wesentlich über den Glucuronsäureweg erfolgt und deshalb ein größerer Sicherheitsabstand nötig ist.
Ergänzend gilt für die äußerliche Anwendung: Kaltgepresste Zitrusöle können phototoxisch wirksame Furocumarine enthalten; nach dem Auftragen ist starke Sonneneinstrahlung zu meiden, sofern das Öl nicht ausdrücklich als furocumarinarm ausgewiesen ist.
Diese Angaben dienen der Wissensvermittlung und stellen keine Aussage über ein bestimmtes Produkt dar.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegt eine umfangreiche Literatur zu Zitrusfrüchten und ihren Inhaltsstoffen vor. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Zitrone beim Pferd wurden nicht gefunden. Die futtermittelrechtliche Bewertung schließt das Pferd ausdrücklich ein.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Zitrone beim Hund wurden nicht gefunden. Für die behördliche Einordnung siehe den vorstehenden Abschnitt.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Zitrone bei der Katze wurden nicht gefunden. Zudem wird bei ätherischen Ölen grundsätzlich eine differenzierte Betrachtung vorgenommen.
Modellorganismen
Experimentelle Arbeiten wurden überwiegend in Zellsystemen und an Nagern durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.
Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.
Traditionelle Nutzung
Die Zitrone wird seit Jahrhunderten als Lebensmittel genutzt. Nach Europa gelangte sie vermutlich im 10. Jahrhundert; über Jahrhunderte galten Zitrusbäume als Zeichen von Wohlstand, was den Bau eigener Orangerien nach sich zog.
Neben der kulinarischen Verwendung ist die Zitrone historisch auch in pflanzenkundlichen Zusammenhängen beschrieben.
Diese Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überlieferten Erfahrungen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of feed additives consisting of expressed lemon oil and its fractions from Citrus limon (L.) Osbeck and of lime oil from Citrus aurantiifolia for use in all animal species
EFSA Journal. 2021
doi.org
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of a feed additive consisting of an aqueous extract of Citrus limon (L.) Osbeck (lemon extract) for use in all animal species
EFSA Journal. 2021
doi.org
González-Molina E et al.
Bioactive compounds in citrus fruits
Journal of Agricultural and Food Chemistry. 2010
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Lv X et al.
Citrus fruits as a treasure trove of active natural metabolites
Critical Reviews in Food Science and Nutrition. 2015
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Khan MK et al.
Citrus polyphenols and their biological activity
Journal of Functional Foods. 2014
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
