Kurze Zusammenfassung
Wermut (Artemisia absinthium) ist eine mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), verbreitet in Europa, Asien und Nordafrika.
Verwendet werden die getrockneten Grundblätter oder die schwach beblätterten blühenden Sprossspitzen. Das Europäische Arzneibuch fordert dafür einen Mindestgehalt an ätherischem Öl.
Bestimmend sind die Bitterstoffe – Wermut zählt zu den bittersten Pflanzen der europäischen Kräuterkunde – sowie Thujon im ätherischen Öl, für das mengenmäßige und zeitliche Vorgaben bestehen.
Für Halter von Turnierpferden ist diese Pflanze besonders zu beachten.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen von unserer Tierärztin Katrin Knecht für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Botanisch gehört Artemisia absinthium zu einer artenreichen Gattung. Zu unterscheiden ist insbesondere der Beifuß (Artemisia vulgaris), eine andere Art derselben Gattung mit abweichendem Stoffprofil, die im Sprachgebrauch häufig mit dem Wermut vermengt wird.
Das Europäische Arzneibuch definiert das Ausgangsmaterial genau: Grundblätter oder schwach beblätterte blühende Sprossspitzen oder eine Mischung daraus, getrocknet, ganz oder geschnitten, mit einem Mindestgehalt von zwei Millilitern ätherischem Öl je Kilogramm.
Für die Einordnung entscheidend ist der Thujongehalt. Näheres im entsprechenden Abschnitt.
FAQ
Was ist Wermut?
Eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Asteraceae. Verwendet werden Grundblätter und blühende Sprossspitzen.
Welche Inhaltsstoffe enthält Wermut?
Bitterstoffe wie Absinthin, ätherisches Öl mit Thujon und Campher sowie Flavonoide und phenolische Verbindungen.
Ist Wermut dasselbe wie Beifuß?
Nein. Beifuß (Artemisia vulgaris) ist eine andere Art derselben Gattung mit abweichendem Stoffprofil.
Was ist bei Turnierpferden zu beachten?
Wermut unterliegt einer strengen Einstufung im Pferdesport.
Botanische Beschreibung
Wermut ist eine mehrjährige, an der Basis verholzende Pflanze, die Wuchshöhen von etwa 60 bis 120 Zentimetern erreicht.
Sie wächst bevorzugt an trockenen, sonnigen Standorten auf kargen Böden, an Wegrändern und in offenen Landschaften.
Charakteristisch sind die silbrig-grauen, fein gefiederten Blätter, deren Färbung von einer dichten Behaarung herrührt, sowie der intensive aromatische Geruch. Die kleinen, gelblichen Blütenköpfchen erscheinen in rispenartigen Blütenständen.
Behördliche Unterlagen weisen darauf hin, dass die Zusammensetzung des ätherischen Öls jahreszeitlich schwankt und auch vom Gewinnungsverfahren und den Lagerbedingungen abhängt.
Inhaltsstoffe
Bitterstoffe
Sesquiterpenlactone, allen voran Absinthin. Sie prägen den außergewöhnlich bitteren Geschmack und geben der Pflanze ihren wissenschaftlichen Artnamen.
Thujon
Bestandteil des ätherischen Öls, in zwei Formen vorkommend.
Weitere Bestandteile des ätherischen Öls
Unter anderem Campher und weitere Monoterpene.
Flavonoide und phenolische Verbindungen
Ergänzen das Stoffprofil.
Der Ölgehalt und seine Zusammensetzung schwanken je nach Herkunft, Erntezeitpunkt, Gewinnungsverfahren und Lagerung erheblich.
Einordnung: eine historische Richtigstellung
Der schlechte Ruf des Wermuts geht auf das sogenannte Absinthismus-Bild des 19. Jahrhunderts zurück – ein Krankheitsbild, das dem Konsum absinthhaltiger Spirituosen zugeschrieben wurde.
Ein Nachtrag zum europäischen Bewertungsbericht führt dazu neuere toxikologische Arbeiten an, die zu dem Ergebnis kommen, dass dieses Erscheinungsbild auf den Alkoholmissbrauch zurückzuführen war und nicht auf das Thujon.
Der Fachausschuss hat daraufhin die entsprechenden Passagen in der Bewertung des Salbeiblatts angepasst. Für ein Lexikon ist das ein bemerkenswerter Vorgang: Eine über ein Jahrhundert tradierte Zuschreibung wurde behördlich korrigiert.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Der zuständige europäische Fachausschuss hat einen Bewertungsbericht zum Wermutkraut erstellt und die zugehörige Monographie 2017 überarbeitet. Die Einordnung erfolgt über die traditionelle Anwendung. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Wermut beim Pferd wurden nicht gefunden.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Wermut beim Hund wurden nicht gefunden.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Wermut bei der Katze wurden nicht gefunden. Zudem wird bei ätherischen Ölen grundsätzlich eine differenzierte Betrachtung vorgenommen.
Modellorganismen
Experimentelle Arbeiten wurden überwiegend an Nagern und in Zellsystemen durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.
Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.
Einordnung: Korbblütler-Empfindlichkeit
Der Wermut gehört zu den Korbblütlern. Innerhalb dieser Pflanzenfamilie sind Kreuzempfindlichkeiten bekannt; zur selben Familie zählen unter anderem Kamille, Löwenzahn, Artischocke, Echinacea, Schafgarbe und Mariendistel.
Diese Einordnung betrifft die Pflanzenfamilie und ist keine Aussage über ein bestimmtes Produkt.
Einordnung für den Turniersport
Der Wermut unterliegt im Pferdesport einer strengen Einstufung. Für Pflanzen dieser Kategorie lässt sich keine verlässliche Karenzzeit angeben; die Anwendung gehört in turnierfreie Phasen.
Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.
Traditionelle Nutzung
Wermut hat eine lange Tradition in der europäischen Pflanzenkunde und ist in Arzneibüchern seit dem 19. Jahrhundert verzeichnet; behördliche Unterlagen führen Belegstellen bis in das Jahr 1872 zurück.
Bekannt ist die Pflanze vor allem als Aromageber bitterer Spirituosen und Weine, denen sie ihren Namen gegeben hat.
Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Artemisia absinthium L., herba
European Medicines Agency
ema.europa.eu
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Addendum to Assessment report on Artemisia absinthium L., herba
European Medicines Agency
ema.europa.eu
Thujone and thujone-containing herbal medicinal and botanical products: Toxicological assessment
Regulatory Toxicology and Pharmacology
sciencedirect.com
Bilia AR et al.
Artemisia absinthium – Übersichtsarbeit zu Pflanzenchemie und Pharmakologie
Journal of Ethnopharmacology. 2006
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
