Kurze Zusammenfassung
Weißdorn ist ein dorniger Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ein typischer Bestandteil europäischer Heckenlandschaften.
Fachlich umfasst der Begriff mehrere Arten der Gattung Crataegus. Verwendet werden die getrockneten blühenden Zweigspitzen, in denen Blätter und Blüten gemeinsam enthalten sind.
Bestimmende Inhaltsstoffe sind Flavonoide, für die das Europäische Arzneibuch einen Mindestgehalt festlegt, sowie oligomere Procyanidine.
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Für die Einordnung wesentlich ist die Artfrage. Als Ausgangsmaterial zugelassen sind die getrockneten blühenden Zweigspitzen von Crataegus monogyna, Crataegus laevigata und ihren Kreuzungen sowie – seltener – weiterer europäischer Crataegus-Arten. Ihr Artikel nennt mit Crataegus monogyna nur eine davon.
Die Arten lassen sich an der Zahl der Fruchtblätter unterscheiden: Crataegus monogyna hat eines, Crataegus laevigata zwei oder drei. Der lateinische Artname monogyna weist genau darauf hin.
Ebenso zu unterscheiden sind die Zubereitungsformen. Das Europäische Arzneibuch führt neben den getrockneten Zweigspitzen eigene Monographien für Flüssig- und Trockenextrakt mit jeweils eigenen Gehaltsvorgaben.
FAQ
Was ist Weißdorn?
Ein dorniger Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Rosaceae. Verwendet werden die getrockneten blühenden Zweigspitzen.
Welche Inhaltsstoffe enthält die Pflanze?
Flavonoide wie Hyperosid und Vitexin, oligomere Procyanidine sowie weitere phenolische Verbindungen.
Stammt Weißdorn immer von derselben Art?
Nein. Mehrere Crataegus-Arten und ihre Kreuzungen sind zugelassen.
Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Blätter und Blüten gemeinsam, als bis zu sieben Zentimeter lange blühende Zweigspitzen.
Botanische Beschreibung
Weißdorn ist ein dorniger, sommergrüner Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und kann Höhen von bis zu zehn Metern erreichen.
Er ist in Europa weit verbreitet und wächst bevorzugt an Waldrändern, in Hecken und auf Wiesen. Als dichtwüchsiges Gehölz mit Dornen ist er ein wichtiger Nist- und Rückzugsraum für Vögel.
Charakteristisch sind die gelappten Blätter, die im Frühjahr in Doldenrispen erscheinenden weißen Blüten und die roten, apfelartigen Früchte im Herbst. Die Blätter von Crataegus monogyna sind tiefer eingeschnitten als die von Crataegus laevigata.
Die Stängel der geernteten Zweigspitzen sind dunkelbraun und ein bis zweieinhalb Millimeter dick.
Inhaltsstoffe
Flavonoide
Die für die Qualitätsprüfung maßgebliche Stoffgruppe, darunter Hyperosid und Vitexin. Das Europäische Arzneibuch fordert mindestens 1,5 Prozent Gesamtflavonoide, berechnet als Hyperosid.
Oligomere Procyanidine
Dieselbe Stoffgruppe, die auch Traubenkerne und Strandkiefernrinde prägt.
Weitere phenolische Verbindungen
Ergänzen das Stoffprofil von Blättern und Blüten.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegt eine umfangreiche Datenlage vor, überwiegend zu standardisierten Extrakten. Bemerkenswert ist die behördliche Bewertung: Der zuständige europäische Fachausschuss kommt zu dem Schluss, dass die klinische Datenlage die Kriterien für die weitergehende Einstufung nicht erfüllt; die Einordnung erfolgt über die traditionelle Anwendung. Der Bericht dokumentiert entsprechende Erzeugnisse auf dem europäischen Markt über einen Zeitraum von rund dreißig Jahren. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Weißdorn beim Pferd wurden nicht gefunden.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Weißdorn beim Hund wurden nicht gefunden.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Weißdorn bei der Katze wurden nicht gefunden.
Modellorganismen
Experimentelle Arbeiten wurden überwiegend in Zellsystemen und an Nagern durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.
Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.
Einordnung für den Turniersport
Weißdorn ist in den Karenzzeiten-Regelungen des Pferdesports erfasst. Halter, die ihr Pferd auf Turnieren vorstellen, sollten das vor der Fütterung weißdornhaltiger Mischungen berücksichtigen.
Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.
Traditionelle Nutzung
Bemerkenswert ist, dass der Weißdorn – anders als die meisten Kräuter dieses Lexikons – keine jahrhundertelange Überlieferung besitzt. Der Bewertungsbericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur hält fest, dass er in den Kräuterwerken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts häufig gar nicht erwähnt wird und erst um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts in die europäischen Arzneibücher aufgenommen wurde.
Als Heckenpflanze und Lieferant essbarer Früchte war er dagegen seit Langem bekannt.
Diese Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Crataegus spp., folium cum flore (EMA/HMPC/159076/2014)
European Medicines Agency
ema.europa.eu
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Crataegus monogyna Jacq. (Lindm.), C. laevigata (Poir.) DC. or their hybrids; C. pentagyna Waldst. et Kit. ex Willd.; C. azarolus L.
European Medicines Agency
ema.europa.eu
Altmeyers Enzyklopädie, Fachbereich Phytotherapie
Crataegi folium cum flore – Pflanzenprofil
Medizinisches Nachschlagewerk
altmeyers.org
Dahmer S, Scott E
Health effects of hawthorn
American Family Physician. 2010
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
