Kurze Zusammenfassung
Weihrauch ist ein pflanzliches Harz, das aus dem Stamm von Bäumen der Gattung Boswellia gewonnen wird, überwiegend aus Boswellia serrata aus der Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae).
Kennzeichnende Inhaltsstoffe sind die Boswelliasäuren, eine Gruppe von Triterpensäuren. Ihr Anteil im Harz wird in der Fachliteratur mit rund vierzehn Prozent angegeben.
Anders als bei den meisten Rohstoffen dieses Lexikons liegen zum Hund mehrere veterinärmedizinische Untersuchungen vor. Einzelheiten in der wissenschaftlichen Einordnung.
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd und Katze wurden nicht gefunden.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Botanisch handelt es sich nicht um ein Kraut, sondern um ein Harz. Die Einordnung erfolgt daher über die Harzbestandteile.
Für die Einordnung entscheidend ist die Artfrage. Die Gattung Boswellia umfasst mehrere Arten, deren Harze allesamt als Weihrauch gehandelt werden – neben dem indischen Boswellia serrata unter anderem Arten aus Ostafrika und der Arabischen Halbinsel. Sie unterscheiden sich im Muster der Boswelliasäuren erheblich. Die veterinärmedizinische und humanmedizinische Forschung bezieht sich fast durchgängig auf Boswellia serrata.
Hinzu kommt die Standardisierungsfrage: Untersuchte Erzeugnisse sind meist auf einen bestimmten Gehalt an Boswelliasäuren eingestellt. Eine Übersichtsarbeit aus der Veterinärmedizin hält ausdrücklich fest, dass die Bewertung durch Unterschiede in Reinheit und Zusammensetzung der verwendeten Erzeugnisse erschwert wird.
FAQ
Was ist Weihrauch?
Ein an der Luft ausgehärtetes Harz, das nach Einschnitten aus der Rinde von Boswellia-Bäumen austritt.
Welche Inhaltsstoffe enthält Weihrauch?
Vor allem Boswelliasäuren, daneben weitere Triterpene, ätherisches Öl und Schleimstoffe.
Welche Boswelliasäuren gibt es?
Beschrieben werden unter anderem Beta-Boswelliasäure, 11-Keto-Beta-Boswelliasäure sowie deren Acetylverbindungen. Die acetylierte Keto-Form gilt als analytische Leitsubstanz.
Stammt Weihrauch immer von derselben Art?
Nein. Mehrere Boswellia-Arten werden als Weihrauch gehandelt; die Forschung bezieht sich überwiegend auf Boswellia serrata.
Gibt es Untersuchungen an Tieren?
Ja, beim Hund. Siehe den Abschnitt zur wissenschaftlichen Einordnung.
Botanische Beschreibung
Boswellia serrata ist ein mittelgroßer, sommergrüner Baum aus der Familie der Burseraceae und wächst in trockenen, oft bergigen Regionen Indiens.
Charakteristisch ist die papierartig abblätternde Rinde. Durch Einschnitte tritt ein milchiges Harz aus, das an der Luft zu gelblichen bis bräunlichen Körnern aushärtet und in dieser Form gesammelt wird.
Weitere Arten der Gattung wachsen in Ostafrika, Somalia, Äthiopien und auf der Arabischen Halbinsel.
Inhaltsstoffe
Boswelliasäuren
Die kennzeichnende Stoffgruppe, chemisch Triterpensäuren. Beschrieben werden unter anderem Beta-Boswelliasäure, 3-Acetyl-Beta-Boswelliasäure, 11-Keto-Beta-Boswelliasäure und 3-Acetyl-11-keto-Beta-Boswelliasäure. Zusammen erreichen sie in der Fachliteratur Anteile um vierzehn Prozent des Harzes.
Weitere Triterpene
Ergänzen das Harzprofil.
Ätherisches Öl
Verantwortlich für den charakteristischen Geruch beim Verbrennen.
Schleimstoffe und Zucker
Weitere Bestandteile des Harzes.
Die Zusammensetzung schwankt zwischen den Boswellia-Arten sowie je nach Herkunft und Erntezeitpunkt erheblich. Angaben zu standardisierten Auszügen lassen sich nicht auf unbehandeltes Harz übertragen.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegt eine umfangreiche Datenlage vor, überwiegend zu Gelenkbeschwerden. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2020 wertete sieben kontrollierte Studien mit insgesamt 545 Teilnehmern aus. Eine ältere systematische Übersicht von 2008 im British Medical Journal hatte die damalige Datenlage zusammengefasst. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Weihrauch beim Pferd wurden nicht gefunden. Die im Internet verbreiteten Angaben zum Pferd stammen überwiegend aus Anbietertexten.
Hund
Zum Hund liegen mehrere veterinärmedizinische Untersuchungen vor. In einer offenen Multicenter-Untersuchung in der Schweiz erhielten 29 Hunde mit chronischen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen über sechs Wochen einen Harzauszug aus Boswellia serrata, dosiert mit 400 Milligramm je zehn Kilogramm Körpergewicht einmal täglich; bei 25 der 29 Tiere war der Befund röntgenologisch gesichert. Methodisch einzuordnen ist, dass es sich um eine offene Untersuchung ohne Kontrollgruppe handelt. Eine spätere randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Untersuchung im Cross-over-Aufbau prüfte eine Kombination aus Boswellia serrata und nicht denaturiertem Kollagen und erfasste dabei neben Halterbeurteilungen auch Bewegungsmessungen und Ganganalysen.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Weihrauch bei der Katze wurden nicht gefunden.
Modellorganismen
Zahlreiche experimentelle Arbeiten wurden in Zellsystemen und an Nagern durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.
Eine Übersichtsarbeit zur Veterinärliteratur hält fest, dass die Beurteilung von Boswellia serrata als alleinigem Bestandteil durch die begrenzte Zahl an Veröffentlichungen und durch Unterschiede in Reinheit und Zusammensetzung der verwendeten Erzeugnisse erschwert wird.
Traditionelle Nutzung
Weihrauch gehört zu den ältesten gehandelten pflanzlichen Rohstoffen überhaupt und ist seit Jahrtausenden als Räucherstoff in religiösen und kulturellen Zusammenhängen belegt.
In der indischen Überlieferung wird das Harz von Boswellia serrata unter eigenem Namen geführt und ist dort Teil der klassischen Pflanzenkunde.
Diese Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
Dietary support with Boswellia resin in canine inflammatory joint and spinal disease
Schweizer Archiv für Tierheilkunde. 2004
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Effects of a feed supplement, containing undenatured type II collagen and Boswellia serrata, in the management of mild/moderate mobility disorders in dogs: A randomized, double-blind, placebo controlled, cross-over study
2024
ncbi.nlm.nih.gov
Management of Osteoarthritis and Joint Support Using Feed Supplements: A Scoping Review of Undenatured Type II Collagen and Boswellia serrata
2023
ncbi.nlm.nih.gov
Yu G et al.
Effectiveness of Boswellia and Boswellia extract for osteoarthritis patients: a systematic review and meta-analysis
BMC Complementary Medicine and Therapies. 2020
doi.org
Ernst E
Frankincense: systematic review
British Medical Journal. 2008
doi.org
