Kurze Zusammenfassung
Weidenrinde stammt von Bäumen und Sträuchern der Gattung Salix aus der Familie der Weidengewächse (Salicaceae). Verwendet wird die getrocknete Rinde junger Zweige.
Fachlich ist Weidenrinde keine Ware einer einzigen Art: Der zuständige europäische Fachausschuss führt sie ausdrücklich für mehrere Weidenarten. Und diese unterscheiden sich im Gehalt der kennzeichnenden Inhaltsstoffe erheblich.
Bestimmend sind Salicylverbindungen, aus denen bei der Aufspaltung Salicin entsteht.
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.
Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin, unseren Beraterinnen und unserer Tierärztin Katrin Knecht erstellt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Die Gattung Salix umfasst mehrere hundert Arten. Der Bewertungsbericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur trägt den Titel „Salix, verschiedene Arten" und nennt dabei ausdrücklich Purpurweide, Reifweide und Bruchweide.
Das ist für den Einkauf bedeutsam: Die Silberweide (Salix alba), die im Handel häufig als Artangabe erscheint, enthält nach Angaben der Fachliteratur deutlich weniger Salicylverbindungen als die genannten Arten.
Für die Qualitätsprüfung maßgeblich ist deshalb nicht die Artangabe, sondern der Gehalt an phenolischen Glykosiden, berechnet als Salicin.
FAQ
Was ist Weidenrinde?
Die getrocknete Rinde junger Zweige verschiedener Weidenarten aus der Familie der Salicaceae.
Welche Inhaltsstoffe enthält die Rinde?
Salicylverbindungen, aus denen Salicin entsteht, daneben Flavonoide und Gerbstoffe.
Stammt Weidenrinde immer von derselben Art?
Nein. Die europäische Bewertung umfasst mehrere Weidenarten mit unterschiedlichem Gehalt.
Wie wird die Qualität geprüft?
Über den Gehalt an phenolischen Glykosiden, berechnet als Salicin.
Was hat Weidenrinde mit Aspirin zu tun?
Aus ihr wurde im 19. Jahrhundert das Salicin isoliert, was zur Entwicklung der Salicylsäure und später der Acetylsalicylsäure führte. Siehe den Abschnitt zur traditionellen Nutzung.
Botanische Beschreibung
Die Silberweide (Salix alba) ist ein mittelgroßer bis großer Baum aus der Familie der Salicaceae und kann Höhen von bis zu 20 Metern erreichen. Andere für die Rindengewinnung genutzte Arten sind deutlich kleiner und wachsen strauchförmig.
Weiden sind in Europa und Teilen Asiens verbreitet und wachsen bevorzugt an feuchten Standorten wie Flussufern, Gräben und Auen.
Charakteristisch sind die schmalen, lanzettlichen Blätter sowie die biegsamen Zweige. Weiden sind zweihäusig: Männliche und weibliche Kätzchen sitzen auf getrennten Bäumen.
Geerntet wird die Rinde junger Zweige, da der Gehalt der kennzeichnenden Inhaltsstoffe dort am höchsten ist.
Inhaltsstoffe
Salicylverbindungen
Die kennzeichnende Stoffgruppe. Sie liegen in der Rinde als Glykoside vor und werden erst durch Aufspaltung zu Salicin. Der Gehalt schwankt zwischen den Weidenarten erheblich.
Flavonoide
Weitere phenolische Bestandteile der Rinde.
Gerbstoffe
Prägen den adstringierenden Charakter.
Die Zusammensetzung hängt von Art, Erntezeitpunkt und Zweigalter ab. Angaben zu standardisierten Auszügen lassen sich nicht auf geschnittene Rinde übertragen.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Der zuständige europäische Fachausschuss hat einen Bewertungsbericht zu Weidenrinde erstellt. Dessen Literaturverzeichnis dokumentiert mehrere randomisierte, doppelblinde Untersuchungen zu standardisierten Auszügen, überwiegend im Zusammenhang mit Rücken- und Gelenkbeschwerden. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Weidenrinde beim Pferd wurden nicht gefunden.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Weidenrinde beim Hund wurden nicht gefunden.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Weidenrinde bei der Katze wurden nicht gefunden. Gut dokumentiert ist dagegen, dass Katzen Salicylate deutlich langsamer ausscheiden als andere Säugetiere – derselbe Zusammenhang, der auch beim Mädesüß eine Rolle spielt.
Modellorganismen
Der Bewertungsbericht führt zahlreiche Arbeiten an Nagern an, darunter Untersuchungen zur Aufnahme des Salicins über die Darmwand, die bis in die 1960er Jahre zurückreichen. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.
Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.
Einordnung für den Turniersport
Die Weidenrinde ist in den Karenzzeiten-Regelungen des Pferdesports erfasst, und zwar aufgrund ihrer Salicylverbindungen mit einer mehrtägigen Frist. Halter, die ihr Pferd auf Turnieren vorstellen, sollten das vor der Fütterung weidenrindenhaltiger Mischungen berücksichtigen.
Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.
Traditionelle Nutzung
Weidenrinde gehört zu den am längsten dokumentierten pflanzlichen Rohstoffen der europäischen Überlieferung.
Ihre pharmaziehistorische Bedeutung ist beträchtlich: Aus ihr wurde im 19. Jahrhundert das Salicin isoliert, was den Weg zur Salicylsäure und schließlich zur Acetylsalicylsäure bereitete. Der Bewertungsbericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur hält dazu fest, dass das Interesse an der Weidenrinde nach dieser Entwicklung zunächst deutlich zurückging.
Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Salix [various species including S. purpurea L., S. daphnoides Vill., S. fragilis L.], cortex
European Medicines Agency
ema.europa.eu
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
List of references supporting the assessment of Salicis cortex, Salix sp.
European Medicines Agency
ema.europa.eu
Altmeyers Enzyklopädie, Fachbereich Phytotherapie
Salicis cortex – Pflanzenprofil
Medizinisches Nachschlagewerk
altmeyers.org
