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Wacholder (Juniperus communis) – Pflanzenkunde, Inhaltsstoffe & Einordnung für Pferd, Hund und Katze

Kurze Zusammenfassung

Wacholder (Juniperus communis) ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) und zählt zu den am weitesten verbreiteten Nadelgehölzen der Nordhalbkugel.

Verwendet werden die beerenartigen Zapfen. Botanisch handelt es sich nicht um Beeren, sondern um fleischig gewordene Zapfen – daher die Fachbezeichnung Scheinfrucht.

Bestimmend sind Monoterpene des ätherischen Öls. Für die Einordnung wesentlich sind zwei Punkte: die Abgrenzung zu verwandten Arten und die Frage der Anwendungsdauer. Einzelheiten in den entsprechenden Abschnitten.

Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.

Fachliche Einordnung

Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.

Botanisch gehört Juniperus communis zu den Nacktsamern und damit in dieselbe Gruppe wie Ginkgo und die Kiefern – nicht zu den Blütenpflanzen.

Der zuständige europäische Fachausschuss führt Zapfen und ätherisches Öl in getrennten Bewertungsberichten. Die Bewertung der Zapfen wurde 2023 in überarbeiteter Fassung verabschiedet.

Innerhalb der Art werden mehrere Unterarten unterschieden, die in Europa vorkommen und sich in Wuchsform und Standortansprüchen unterscheiden. Das Ausgangsmaterial wird unter anderem aus Italien, den Adria-Anrainerstaaten und Albanien eingeführt.

FAQ

Was ist Wacholder?
Ein immergrünes Nadelgehölz aus der Familie der Cupressaceae. Verwendet werden die reifen, beerenartigen Zapfen.

Sind Wacholderbeeren wirklich Beeren?
Nein. Es handelt sich um Zapfen, deren Schuppen fleischig verwachsen sind. Fachlich spricht man von Scheinfrüchten.

Welche Inhaltsstoffe enthält Wacholder?
Ätherisches Öl mit Monoterpenen wie Alpha- und Beta-Pinen sowie Limonen, daneben Flavonoide, Gerb-, Bitter- und Harzstoffe.

Gibt es Verwechslungsgefahr?
Ja. Innerhalb der Gattung Juniperus existieren weitere Arten, darunter eine nicht zum Verzehr geeignete. Einzelheiten weiter unten.

Wie lange reifen die Zapfen?
Über mehrere Jahre – an einem Strauch finden sich daher gleichzeitig grüne und reife blauschwarze Zapfen.

Botanische Beschreibung

Wacholder ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum, der je nach Standort Wuchshöhen von wenigen Metern bis über zehn Metern erreicht.

Die Art ist in weiten Teilen Europas, Asiens und Nordamerikas verbreitet und wächst bevorzugt auf trockenen, sonnigen Standorten mit nährstoffarmen Böden. Ihren Ursprung hat sie in Nordeuropa und in Gebirgslagen.

Charakteristisch sind die spitzen, stets zu dritt in Quirlen stehenden Nadeln. Die reifen Zapfen sind violett bis schwarz und tragen an der Spitze eine dreistrahlige Naht – ein Erkennungsmerkmal, das die drei verwachsenen Schuppen anzeigt.

Die Reifung erstreckt sich über mehrere Jahre.

Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl
Bestimmt von Monoterpenen, darunter Alpha- und Beta-Pinen, Sabinen, Myrcen und Limonen. Das Europäische Arzneibuch begrenzt für Wacholderöl den Anteil einzelner Bestandteile.

Flavonoide
Weitere Bestandteile der Zapfen.

Gerb- und Bitterstoffe
Prägen den herb-würzigen Geschmack.

Harzbestandteile und Zucker
Die fleischigen Zapfenschuppen enthalten daneben Zucker, worauf die Verwendung in der Spirituosenherstellung beruht.

Die Zusammensetzung schwankt je nach Unterart, Herkunft und Reifegrad erheblich. Angaben zum destillierten Öl lassen sich nicht auf die ganzen Zapfen übertragen.

Einordnung: Artabgrenzung

Innerhalb der Gattung Juniperus gibt es zahlreiche Arten. Für die Verwendung zugelassen ist ausschließlich Juniperus communis.

Zu unterscheiden ist insbesondere der Sadebaum (Juniperus sabina), ein naher Verwandter, der nicht zum Verzehr geeignet ist. Auch Öle anderer Juniperus-Arten werden gehandelt, dienen aber als Duftstoffe in der Kosmetik und nicht als Ausgangsmaterial für die hier betrachtete Verwendung.

Praktische Folge für den Einkauf: Die Artangabe des Rohstoffs sollte eindeutig sein.

Wissenschaftliche Einordnung

Mensch
Der zuständige europäische Fachausschuss hat Wacholderzapfen und Wacholderöl bewertet; die Bewertung der Zapfen liegt seit 2023 in überarbeiteter Fassung vor und wurde mit 27 von 28 Stimmen angenommen. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.

Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Wacholder beim Pferd wurden nicht gefunden.

Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Wacholder beim Hund wurden nicht gefunden.

Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Wacholder bei der Katze wurden nicht gefunden. Zudem wird bei ätherischen Ölen grundsätzlich eine differenzierte Betrachtung vorgenommen.

Modellorganismen
Der Bewertungsbericht führt zahlreiche Arbeiten an Ratten und Mäusen an; die ältesten experimentellen Belege zur harntreibenden Wirkung reichen über siebzig Jahre zurück. Der Bericht merkt an, dass nur ein Teil dieser Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen Menge und Wirkung zeigte. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.

Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.

Traditionelle Nutzung

Wacholder hat eine lange Tradition in der europäischen Pflanzenkunde und ist in zahlreichen nationalen Arzneibüchern verzeichnet, unter anderem im Deutschen, Österreichischen, Französischen, Schweizerischen und Britischen.

Besonders bekannt ist die Verwendung der Zapfen als Küchengewürz und als Aromageber bei der Spirituosenherstellung.

Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.

Wissenschaftliche Literatur

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Juniperus communis L., pseudo-fructus (galbulus) – Revision 1 (EMA/HMPC/241319/2021)
European Medicines Agency. 2023
ema.europa.eu

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Juniperus communis L., aetheroleum
European Medicines Agency
ema.europa.eu

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Juniperi galbulus (pseudo-fructus) – Übersicht aller Bewertungsdokumente
European Medicines Agency
ema.europa.eu

Filipowicz N et al.
Antibacterial and antifungal activity of juniper berry oil and its selected components
Phytotherapy Research. 2003
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov