Kurze Zusammenfassung
Thymian ist ein mehrjähriger, verholzender Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.
Fachlich umfasst Thymian zwei Arten: neben Thymus vulgaris auch den Spanischen Thymian (Thymus zygis). Beide werden in Arzneibuch und behördlichen Bewertungen gemeinsam geführt.
Bestimmend für das ätherische Öl sind die phenolischen Monoterpene Thymol und Carvacrol. Für ihre Anteile bestehen arzneibuchseitige Grenzen.
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Botanisch gehört Thymus vulgaris zu den typischen Pflanzen trockener, sonniger Standorte. Zur selben Pflanzenfamilie zählen Oregano, Salbei, Melisse, Lavendel, Pfefferminze und Bohnenkraut.
Für die Einordnung wesentlich ist die Trennung von Kraut und Öl. Der zuständige europäische Fachausschuss führt beide in eigenen Bewertungsberichten. Das getrocknete Kraut enthält bis zu 2,5 Prozent ätherisches Öl; das destillierte Öl ist demgegenüber ein Konzentrat.
Futtermittelrechtlich wurde Thymianöl 2025 vom zuständigen EFSA-Gremium als sensorischer Zusatzstoff bewertet. Bemerkenswert im Vergleich zu anderen Lippenblütler-Ölen dieses Lexikons: Das Gremium kam für eine Einsatzmenge von 100 Milligramm je Kilogramm Alleinfutter zu einer einheitlichen Einstufung für alle Tierarten, ohne gesonderten Katzenwert. Es stützt sich dabei auf Verträglichkeitsversuche zu Thymol und Carvacrol.
FAQ
Was ist Thymian?
Ein mehrjähriger Halbstrauch aus der Familie der Lamiaceae. Als Ausgangsmaterial gelten die getrockneten blühenden Zweigspitzen zweier Arten.
Welche Inhaltsstoffe enthält Thymian?
Ätherisches Öl mit Thymol und Carvacrol als phenolischen Hauptbestandteilen, daneben p-Cymol, Gamma-Terpinen, Linalool und Terpinen-4-ol sowie Flavonoide und Gerbstoffe.
Wie hoch ist der Ölgehalt?
Das getrocknete Kraut enthält bis zu 2,5 Prozent ätherisches Öl.
Stammt Thymian immer von derselben Pflanze?
Nein. Neben Thymus vulgaris ist auch Thymus zygis zugelassen; beide werden gemeinsam geführt.
Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Die getrockneten Blätter und Blüten der blühenden Zweigspitzen.
Botanische Beschreibung
Thymian ist ein mehrjähriger, an der Basis verholzender Halbstrauch aus der Familie der Lamiaceae und erreicht Wuchshöhen von etwa 10 bis 40 Zentimetern.
Die Pflanze ist im westlichen Mittelmeerraum beheimatet und bevorzugt sonnige, trockene Standorte mit gut durchlässigen, oft kalkhaltigen Böden.
Charakteristisch sind die sehr kleinen, schmalen Blätter mit eingerolltem Rand, die dicht an den Trieben sitzen. Wie bei Lippenblütlern üblich ist der Stängel vierkantig; das ätherische Öl sitzt in Drüsenschuppen an der Blattoberfläche.
Die rosa bis violetten Blüten erscheinen im Sommer und gelten als ergiebige Bienenweide.
Inhaltsstoffe
Thymol
Der namensgebende und mengenmäßig bestimmende Bestandteil des ätherischen Öls, chemisch ein phenolisches Monoterpen.
Carvacrol
Ein Stellungsisomer des Thymols. Das Europäische Arzneibuch begrenzt seinen Anteil im Thymianöl auf einen Bereich von 0,5 bis 5,5 Prozent.
Weitere Bestandteile des ätherischen Öls
Unter anderem p-Cymol, Gamma-Terpinen, Linalool, Beta-Myrcen und Terpinen-4-ol. Ein Teil dieser Verbindungen liegt in der Pflanze gebunden als Glykosid vor.
Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe
Weitere Bestandteile der oberirdischen Pflanzenteile, die nicht in das destillierte Öl übergehen.
Die Zusammensetzung schwankt je nach Art, Herkunft und Erntezeitpunkt erheblich. Innerhalb der Gattung Thymus sind mehrere chemische Ausprägungen bekannt, die sich im Verhältnis der Hauptbestandteile deutlich unterscheiden.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegt eine umfangreiche Datenlage vor. Der zuständige europäische Fachausschuss hat sowohl das Thymiankraut als auch das Thymianöl bewertet; der Bericht zum Öl liegt in überarbeiteter Fassung vor. Zur Frage der Erbgutverträglichkeit hält der Bericht zum Öl fest, dass die vorliegenden Untersuchungen uneinheitlich und in ihrer Aussagekraft begrenzt sind und dass für eine abschließende Beurteilung weitere Arbeiten an Säugerzellen erforderlich wären. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Thymian beim Pferd wurden nicht gefunden. Die futtermittelrechtliche Bewertung des Öls schließt alle Tierarten ein.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Thymian beim Hund wurden nicht gefunden.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Thymian bei der Katze wurden nicht gefunden. Zudem wird bei ätherischen Ölen grundsätzlich eine differenzierte Betrachtung vorgenommen.
Modellorganismen
Der Bewertungsbericht zum Kraut führt mehrere Arbeiten an Nagern an, unter anderem zur Wirkung auf Leberenzyme und zu Blutdruckmodellen bei Ratten. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.
Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.
Einordnung für den Turniersport
Thymian ist in den Karenzzeiten-Regelungen des Pferdesports erfasst. Halter, die ihr Pferd auf Turnieren vorstellen, sollten das vor der Fütterung thymianhaltiger Mischungen berücksichtigen.
Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.
Traditionelle Nutzung
Thymian hat eine lange Tradition als Gewürz- und Aromapflanze und ist bereits in antiken Quellen beschrieben. Er wurde sowohl in der Küche als auch in pflanzenkundlichen Zusammenhängen verwendet.
In der Praxis wird Thymian häufig zusammen mit Primelwurzel eingesetzt; für diese Kombination existiert ein eigener behördlicher Bewertungsbericht.
Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Thymus vulgaris L., Thymus zygis L., herba
European Medicines Agency
ema.europa.eu
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Thymus vulgaris L., Thymus zygis L., aetheroleum – Revision 1
European Medicines Agency
ema.europa.eu
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of a feed additive consisting of an essential oil obtained from the flowering aerial parts of Thymus vulgaris L. and/or Thymus zygis L. (thyme oil) for use in all animal species
EFSA Journal. 2025
doi.org
Salehi B et al.
Thymus vulgaris – Übersichtsarbeit zu Pflanzenchemie und biologischer Aktivität
ncbi.nlm.nih.gov
