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Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) – Pflanzenkunde, Inhaltsstoffe & Einordnung für Pferd, Hund und Katze

Kurze Zusammenfassung

Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Sesamgewächse (Pedaliaceae). Sie ist in den Trockengebieten des südlichen Afrikas beheimatet; verwendet werden die unterirdischen Speicherknollen.

Leitsubstanz ist das Iridoidglykosid Harpagosid. Sein Gehalt schwankt in Handelsware allerdings so stark, dass die Artangabe allein wenig über die Qualität aussagt. Einzelheiten im entsprechenden Abschnitt.

Für das Pferd liegt eine pharmakokinetische Untersuchung vor – eine der wenigen Arbeiten dieses Lexikons, die den Weg eines Inhaltsstoffs im Pferdekörper verfolgt.

Für Halter von Turnierpferden ist diese Pflanze besonders zu beachten.

Fachliche Einordnung

Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.

Botanisch gehört Harpagophytum procumbens zu den Pflanzen arider Standorte. Verwendet werden nicht die Hauptwurzel, sondern die daran hängenden sekundären Speicherknollen.

Für die Einordnung entscheidend ist die Artfrage. Neben Harpagophytum procumbens wird auch Harpagophytum zeyheri gehandelt. Die Knollen beider Arten sehen einander sehr ähnlich, was die Unterscheidung im Rohstoffhandel erschwert.

Hinzu kommt die Herkunftsfrage: Die Teufelskralle wird überwiegend wild gesammelt, was Schwankungen zusätzlich begünstigt.

FAQ

Was ist Teufelskralle?
Die getrockneten Speicherknollen von Harpagophytum procumbens aus der Familie der Pedaliaceae.

Welche Inhaltsstoffe enthält die Pflanze?
Iridoidglykoside, allen voran Harpagosid, daneben Harpagid und 8-Cumaroylharpagid sowie phenolische Verbindungen.

Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Ausschließlich die sekundären Speicherknollen, nicht die Hauptwurzel.

Woher hat die Pflanze ihren Namen?
Von den Früchten: Sie tragen verholzte, widerhakenartige Auswüchse, die sich im Fell weidender Tiere verfangen und so der Verbreitung dienen.

Was ist bei Turnierpferden zu beachten?
Die Teufelskralle unterliegt einer strengen Einstufung. Einzelheiten weiter unten.

Botanische Beschreibung

Die Teufelskralle ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Pedaliaceae mit niederliegenden, kriechenden Trieben. Sie wächst in den Savannen- und Halbwüstengebieten Namibias, Botswanas und Südafrikas.

Charakteristisch sind die auffälligen Früchte: verholzte Kapseln mit langen, verzweigten Fortsätzen, die in kräftigen Widerhaken enden. Sie verfangen sich im Fell und an den Hufen weidender Tiere – daher der Name.

Unterirdisch bildet die Pflanze eine tiefreichende Hauptwurzel, an der seitlich die sekundären Speicherknollen sitzen. Nur diese werden geerntet; die Hauptwurzel bleibt im Boden, damit die Pflanze weiterwachsen kann.

Inhaltsstoffe

Harpagosid
Das bestimmende Iridoidglykosid und die Leitsubstanz für die Qualitätsprüfung. Der Gehalt schwankt herkunfts- und artabhängig erheblich; siehe den folgenden Abschnitt.

Weitere Iridoidglykoside
Harpagid und 8-Cumaroylharpagid ergänzen das Stoffprofil.

Phenolische Verbindungen
Unter anderem Phenylethanoid-Glykoside.

Zucker
Die Speicherknollen enthalten Kohlenhydrate als Speicherstoffe.

Angaben zu standardisierten Extrakten lassen sich nicht auf geschnittene oder gemahlene Knollen übertragen.

Wissenschaftliche Einordnung

Mensch
Für den Menschen liegen mehrere kontrollierte Studien und Übersichtsarbeiten zu standardisierten Extrakten vor, überwiegend im Zusammenhang mit Gelenkbeschwerden. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.

Pferd
Für das Pferd liegt eine pharmakokinetische Untersuchung von 2019 vor. Sechs Pferde erhielten in einem randomisierten Cross-over-Aufbau einen Harpagophytum-Extrakt über die Nasenschlundsonde, entsprechend zunächst 5 und nach siebentägiger Auswaschphase 10 Milligramm Harpagosid je Kilogramm Körpermasse. Erfasst wurde der Verlauf des Harpagosids im Blutplasma. Die Autoren merken an, dass die Teufelskralle beim Pferd seit vielen Jahren eingesetzt wurde, ohne dass belastbare pharmakokinetische Daten vorlagen.

Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Teufelskralle beim Hund wurden nicht gefunden.

Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Teufelskralle bei der Katze wurden nicht gefunden.

Modellorganismen
Eine Untersuchung von 2020 prüfte wässrig-alkoholische Auszüge an weiblichen und männlichen Ratten und fand dabei geschlechtsabhängige Unterschiede. Die Autoren weisen darauf hin, dass toxikologische Arbeiten zu dieser Pflanze zuvor überwiegend an männlichen Tieren durchgeführt worden waren. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.

Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.

Einordnung für den Turniersport

Die Teufelskralle unterliegt im Pferdesport einer strengen Einstufung. Für Pflanzen dieser Kategorie lässt sich keine verlässliche Karenzzeit angeben; die Anwendung gehört in turnierfreie Phasen.

Erschwerend kommt hinzu, dass für Harpagosid keine offiziell veröffentlichte Nachweiszeit vorliegt, an der sich Halter orientieren könnten.

Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.

Traditionelle Nutzung

Die Teufelskralle wird in ihren Herkunftsregionen im südlichen Afrika seit Langem genutzt und ist dort Teil der überlieferten Pflanzenkunde. Nach Europa gelangte sie erst im 20. Jahrhundert.

Erzeugnisse aus Harpagophytum werden heute weltweit vermarktet.

Diese Nutzung basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.

Wissenschaftliche Literatur

Axmann S, Hummel K, Nöbauer K, Razzazi-Fazeli E, Zitterl-Eglseer K
Pharmacokinetics of harpagoside in horses after intragastric administration of a Devil's claw (Harpagophytum procumbens) extract
2019
agris.fao.org

Pretorius E, Mncwangi NP, Kabongo RM, Chen W, Vermaak I, van der Bank M, Viljoen AM
A quality control perspective on Devil's claw, Harpagophytum procumbens and H. zeyheri: phytochemical analysis and DNA barcoding
2022
agris.fao.org

Joshi K, Parrish A, Grunz-Borgmann EA, Gerkovich M, Folk WR
Toxicology studies of aqueous-alcohol extracts of Harpagophytum procumbens subsp. procumbens in female and male rats
BMC Complementary Medicine and Therapies. 2020
doi.org

Brien S, Lewith GT, McGregor G
Devil's Claw (Harpagophytum procumbens) as a treatment for osteoarthritis: a review of efficacy and safety
Journal of Alternative and Complementary Medicine. 2006
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Wegener T, Lüpke NP
Treatment of patients with arthrosis of hip or knee with an aqueous extract of devil's claw (Harpagophytum procumbens DC.)
Phytotherapy Research. 2003
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov