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Sternanis (Illicium verum) – Pflanzenkunde, Inhaltsstoffe & Einordnung für Pferd, Hund und Katze

Kurze Zusammenfassung

Sternanis (Illicium verum) ist ein immergrüner Baum aus der Familie der Sternanisgewächse (Schisandraceae) und stammt ursprünglich aus Südostasien. Verwendet werden die getrockneten, sternförmigen Früchte.

Trotz des Namens ist Sternanis nicht mit dem Anis (Pimpinella anisum) verwandt. Beide teilen lediglich denselben bestimmenden Aromastoff, trans-Anethol – weshalb Sternanis in Lebensmitteln häufig als günstigerer Ersatz für Anis eingesetzt wird.

Bei diesem Rohstoff ist die Identitätsprüfung von besonderer Bedeutung, weil eine nah verwandte Art zum Verwechseln ähnlich aussieht. Einzelheiten im entsprechenden Abschnitt.

Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.

Fachliche Einordnung

Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.

Botanisch gehört Illicium verum zu den Schisandraceae und damit zu einer sehr ursprünglichen Gruppe der Blütenpflanzen. Mit dem Anis, einem Doldenblütler, besteht keine Verwandtschaft.

Das Europäische Arzneibuch führt zwei Erzeugnisse getrennt: die getrocknete Frucht und das daraus gewonnene ätherische Öl. Beide sind seit 2002 dort beschrieben.

Futtermittelrechtlich wurde Sternanisöl vom zuständigen EFSA-Gremium 2023 als sensorischer Zusatzstoff – also Aromastoff – für alle Tierarten bewertet.

FAQ

Was ist Sternanis?
Die getrocknete, sternförmige Sammelfrucht eines immergrünen Baumes aus Südostasien.

Welche Inhaltsstoffe enthält Sternanis?
Ätherisches Öl mit trans-Anethol als bestimmendem Bestandteil, daneben Limonen, Pinen, Anisaldehyd, Flavonoide sowie Shikimisäure.

Ist Sternanis mit Anis verwandt?
Nein. Die Ähnlichkeit beschränkt sich auf den gemeinsamen Hauptaromastoff.

Was ist Shikimisäure?
Ein Naturstoff, der aus Sternanisfrüchten gewonnen wird und industriell als Ausgangsstoff für die Herstellung eines Grippemedikaments dient.

Worauf ist bei der Herkunft zu achten?
Auf die eindeutige Artbestimmung. Einzelheiten weiter unten.

Botanische Beschreibung

Sternanis (Illicium verum) ist ein immergrüner Baum, der Wuchshöhen von bis zu zehn Metern erreicht.

Er ist in Südostasien beheimatet und wird vor allem in Südchina und Vietnam kultiviert. Die Pflanze bevorzugt warme, feuchte Klimazonen.

Charakteristisch sind die ledrigen, glänzenden Blätter sowie die Frucht: Sie besteht aus meist acht sternförmig angeordneten Balgfrüchten, von denen jede einen glänzenden Samen enthält. Geerntet wird, bevor die Frucht vollständig ausgereift ist.

Innerhalb der Gattung Illicium existieren weitere Arten, darunter der Japanische Sternanis (Illicium anisatum) sowie nordamerikanische Arten.

Inhaltsstoffe

trans-Anethol
Der bestimmende Bestandteil des ätherischen Öls und Träger des charakteristischen Geruchs. Chemisch ein Phenylpropanoid – derselbe Stoff, der auch Anis und Fenchel prägt.

Weitere Bestandteile des ätherischen Öls
Unter anderem Limonen, Alpha-Pinen und Anisaldehyd.

Shikimisäure
Ein in Sternanisfrüchten reichlich vorhandener Naturstoff. Er hat industrielle Bedeutung als Ausgangsstoff für die Herstellung des Grippemittels Oseltamivir und ist damit einer der wenigen Pflanzeninhaltsstoffe dieses Lexikons mit einer eigenen Weltmarktgeschichte.

Flavonoide und weitere phenolische Verbindungen
Ergänzen das Stoffprofil der Früchte.

Die Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und Aufbereitung. Angaben zum destillierten Öl lassen sich nicht auf die ganze Frucht übertragen.

Einordnung: Artbestimmung und Verwechslungsgefahr

Bei diesem Rohstoff ist die eindeutige Artbestimmung wichtiger als bei nahezu allen anderen Kräutern dieses Lexikons.

Der Grund: Der Japanische Sternanis (Illicium anisatum) sieht dem Chinesischen Sternanis zum Verwechseln ähnlich, ist aber nicht zum Verzehr geeignet. Das zuständige EFSA-Gremium weist unter Verweis auf den Arzneibuch-Kommentar ausdrücklich darauf hin, dass die Früchte beider Arten einander stark ähneln und nicht verwechselt werden dürfen.

In der Vergangenheit sind Fälle bekannt geworden, in denen Handelsware mit der japanischen Art vermischt war; US-amerikanische Behörden gaben dazu 2003 eine Verbraucherwarnung heraus.

Praktische Folge für den Einkauf: Sternanis sollte nur aus Quellen bezogen werden, die eine Identitätsprüfung nach Arzneibuch vornehmen. Eine Beurteilung nach Aussehen allein reicht nicht aus.

Diese Einordnung betrifft die Rohstoffqualität und ist keine Aussage über ein bestimmtes Produkt.

Wissenschaftliche Einordnung

Mensch
Für den Menschen liegen zahlreiche Untersuchungen zu Illicium verum vor, überwiegend zur chemischen Zusammensetzung und zu Laborversuchen. Frucht und ätherisches Öl sind seit 2002 im Europäischen Arzneibuch beschrieben. Diese Angaben beziehen sich auf den Menschen oder auf Laborbedingungen und dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Einordnung.

Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Sternanis beim Pferd wurden nicht gefunden. Die futtermittelrechtliche Bewertung des Öls erfolgte für alle Tierarten.

Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Sternanis beim Hund wurden nicht gefunden.

Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Sternanis bei der Katze wurden nicht gefunden. Zudem wird bei ätherischen Ölen grundsätzlich eine differenzierte Betrachtung vorgenommen.

Modellorganismen
Der überwiegende Teil der experimentellen Arbeiten wurde in Zellsystemen und an mikrobiellen Kulturen durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.

Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und Laboruntersuchungen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.

Traditionelle Nutzung

Sternanis hat eine lange Tradition als Gewürz in der ostasiatischen Küche und ist fester Bestandteil klassischer Gewürzmischungen. Über den Seehandel gelangte er ab dem 16. Jahrhundert nach Europa.

In Lebensmitteln und Getränken wird er häufig als günstigerer Ersatz für Anisfrüchte verwendet, da beide dasselbe Aromaprofil tragen.

Diese Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.

Wissenschaftliche Literatur

EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of a feed additive consisting of an essential oil derived from the fruit of Illicium verum Hook.f. (star anise oil) for use in all animal species
EFSA Journal. 2023
doi.org

Sharafan M et al.
Illicium verum (Star Anise) and Trans-Anethole as Valuable Raw Materials for Medicinal and Cosmetic Applications
Molecules. 2022
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Wang GW et al.
Illicium verum: A review on its botany, traditional use, chemistry and pharmacology
Journal of Ethnopharmacology. 2011
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Zhang G, Yuan C, Sun Y
Effect of Selective Encapsulation of Hydroxypropyl-beta-cyclodextrin on Components and Antibacterial Properties of Star Anise Essential Oil
Molecules. 2018
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov