Kurze Zusammenfassung
Sonnenblumenpresskuchen ist ein pflanzliches Nebenprodukt, das bei der mechanischen Gewinnung von Öl aus den Samen der Sonnenblume (Helianthus annuus) entsteht. Er wird vor allem als pflanzliche Proteinquelle eingesetzt.
Entscheidend für die Einordnung sind zwei Verfahrensfragen: ob die Samen vor dem Pressen entschält wurden und ob das Öl mechanisch abgepresst oder mit Lösungsmittel entzogen wurde. Beide Faktoren verändern Protein- und Fasergehalt erheblich.
Die Spanne ist beträchtlich: Angaben zum Rohproteingehalt reichen von etwa einem Viertel bis über die Hälfte.
Für das Pferd liegen ältere ernährungswissenschaftliche Arbeiten vor; kontrollierte Fütterungsstudien zu Hund und Katze wurden nicht gefunden.
Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin, unseren Beraterinnen und unserer Tierärztin Katrin Knecht erstellt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Im Gegensatz zu klassischen Kräutern handelt es sich um ein Nebenprodukt der Ölgewinnung. Die Bewertung erfolgt daher ernährungsphysiologisch, nicht pflanzenkundlich.
Botanisch stammt der Presskuchen von der Sonnenblume, einer Kulturpflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) – derselben Familie wie Kamille, Löwenzahn, Artischocke und Schafgarbe.
Fachlich zu unterscheiden sind Presskuchen und Extraktionsschrot. Beim mechanischen Pressen verbleibt mehr Restöl im Rückstand; bei der Lösungsmittelextraktion ist der Proteingehalt höher und der Öl- und Fasergehalt niedriger. Die Bezeichnungen werden im Handel nicht immer sauber getrennt.
FAQ
Was ist Sonnenblumenpresskuchen?
Der feste Rückstand aus der mechanischen Ölgewinnung aus Sonnenblumensamen.
Welche Inhaltsstoffe enthält er?
Pflanzliche Proteine, Restöl, Rohfaser aus den Schalen, Mineralstoffe sowie phenolische Verbindungen.
Wie hoch ist der Proteingehalt?
Sehr unterschiedlich. Aus nicht entschälten Samen werden Werte um ein Viertel bis knapp ein Drittel beschrieben, aus vollständig entschälten Samen über vierzig Prozent.
Welche Aminosäure ist begrenzend?
Lysin. Sonnenblumenerzeugnisse gelten als lysinarm, dafür als vergleichsweise methioninreich.
Was ist Chlorogensäure?
Die mengenmäßig bestimmende phenolische Verbindung im Sonnenblumenschrot. Einzelheiten im Inhaltsstoffabschnitt.
Botanische Grundlage
Die Sonnenblume (Helianthus annuus) ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Asteraceae und erreicht Wuchshöhen von bis zu drei Metern.
Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika und wurde im 16. Jahrhundert nach Europa gebracht. Heute wird sie weltweit zur Ölgewinnung kultiviert.
Was wie eine einzelne große Blüte aussieht, ist botanisch ein Blütenstand aus Hunderten Einzelblüten – typisch für Korbblütler. Aus den fruchtbaren Röhrenblüten im Inneren entwickeln sich die Samen.
Nach der Ernte werden die Samen gepresst. Der verbleibende feste Rückstand ist der Presskuchen.
Inhaltsstoffe
Pflanzliche Proteine
Der wesentliche Bestandteil. Der Gehalt hängt unmittelbar vom Entschälungsgrad ab: In der Fachliteratur werden für Erzeugnisse aus nicht entschälten Samen etwa 25 bis 28 Prozent beschrieben, bei teilweiser Entschälung 34 bis 38 Prozent und bei vollständiger Entschälung über 40 Prozent.
Aminosäurenmuster
Lysin gilt als die erstbegrenzende Aminosäure. Im Vergleich zu Sojaschrot enthalten Sonnenblumenerzeugnisse weniger Lysin, dafür mehr Methionin.
Rohfaser
Stammt überwiegend aus den Samenschalen. Je weniger entschält wurde, desto höher der Faseranteil und desto niedriger der Proteinanteil.
Restöl
Beim mechanischen Pressen verbleibt deutlich mehr Öl im Rückstand als bei der Lösungsmittelextraktion.
Chlorogensäure
Die bestimmende phenolische Verbindung, chemisch ein Ester aus Kaffee- und Chinasäure. Sie macht über zwei Drittel der phenolischen Verbindungen aus. Bei Hitze und im alkalischen Milieu bindet sie an Protein und färbt es grünlich – ein bekanntes technologisches Merkmal dieses Rohstoffs.
Mineralstoffe
Beschrieben werden unter anderem Phosphor, Magnesium und Kalium.
Die Zusammensetzung schwankt so stark, dass die Fachliteratur ausdrücklich empfiehlt, für die Rationsberechnung die tatsächlichen Analysenwerte der eingesetzten Charge zu verwenden.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegen Untersuchungen zur Zusammensetzung und zur technologischen Verarbeitung vor. Sonnenblumenschrot wird für Lebensmittelzwecke bislang wenig genutzt, was in der Fachliteratur auf den hohen Gehalt an phenolischen Verbindungen zurückgeführt wird. Diese Angaben dienen der wissenschaftlichen Kontextualisierung.
Pferd
Zum Pferd liegt eine ernährungswissenschaftliche Arbeit zum Nährwert von Sonnenblumenschrot für Absetzer vor. Sie stammt aus der klassischen Futtermittelkunde und befasst sich mit Protein-, Aminosäuren- und Energiewerten, nicht mit einer Wirkungsprüfung.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Sonnenblumenpresskuchen beim Hund wurden nicht gefunden.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Sonnenblumenpresskuchen bei der Katze wurden nicht gefunden.
Nutztiere
Die weitaus umfangreichste Datenlage betrifft Wiederkäuer, Geflügel und Schweine. Sonnenblumenschrot ist dort seit dem 19. Jahrhundert als Proteinträger etabliert. Diese Ergebnisse sind auf Pferd, Hund und Katze nicht übertragbar.
Modellorganismen
Weitere Arbeiten betreffen die technologische Charakterisierung. Auch sie sind nicht direkt übertragbar.
Einordnung: Korbblütler-Empfindlichkeit
Die Sonnenblume gehört zu den Korbblütlern. Innerhalb dieser Pflanzenfamilie sind Kreuzempfindlichkeiten bekannt; zur selben Familie zählen unter anderem Kamille, Löwenzahn, Artischocke, Echinacea, Schafgarbe und Mariendistel.
Diese Einordnung betrifft die Pflanzenfamilie und ist keine Aussage über ein bestimmtes Produkt.
Traditionelle Nutzung
Sonnenblumenschrot wird seit dem 19. Jahrhundert als Futtermittel eingesetzt und wurde in der zeitgenössischen Fachliteratur bereits als hochwertiger Bestandteil beschrieben.
Die Sonnenblume selbst wurde von indigenen Bevölkerungsgruppen Nordamerikas seit Langem als Nutzpflanze angebaut.
Diese Nutzung basiert auf praktischen Erfahrungen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
Heuzé V et al.
Sunflower meal
Feedipedia – Datenbank für Futtermittel von INRAE, CIRAD, AFZ und FAO
feedipedia.org
Nutritional value of sunflower meal for weanling horses
Texas Tech University
ttu-ir.tdl.org
Raman and IR spectroscopy as a promising approach to rapid and non-destructive monitoring of chlorogenic acid in protein matrices
2025
ncbi.nlm.nih.gov
