Kurze Zusammenfassung
Seealgen sind eine Sammelbezeichnung für im Meer lebende Makroalgen. Sie gehören biologisch nicht zu den Landpflanzen und werden in Grün-, Braun- und Rotalgen unterschieden.
Für die Fütterung von Pferden, Hunden und Katzen steht ein Punkt im Vordergrund: der Jodgehalt. Braunalgen reichern Jod in erheblichem Umfang an, und für Jod im Alleinfutter bestehen tierartspezifische Höchstwerte.
Die Schwankungsbreite ist bei diesem Rohstoff außergewöhnlich groß – je nach Algenart, Herkunft und Erntezeitpunkt.
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.
Fachliche Einordnung
Dieser Ratgeber wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin, unseren Beraterinnen und unserer Tierärztin Katrin Knecht erstellt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Im Gegensatz zu klassischen Kräutern handelt es sich bei Seealgen nicht um eine einzelne Art, sondern um eine Sammelbezeichnung für eine große Zahl biologisch teils weit voneinander entfernter Organismen.
Für die Einordnung entscheidend ist deshalb die Artangabe. Der in Futtermitteln am häufigsten verwendete Knotentang (Ascophyllum nodosum) ist eine Braunalge und dafür bekannt, Jod aus dem Meerwasser anzureichern. Rot- und Grünalgen weisen andere Gehalte auf.
Ohne Angabe der Algenart und ohne Analysenwert lässt sich der Jodgehalt eines Erzeugnisses nicht abschätzen. Das ist bei diesem Rohstoff die praktisch wichtigste Information.
FAQ
Was sind Seealgen?
Im Meer lebende Makroalgen, die biologisch nicht zu den Landpflanzen zählen.
Welche Inhaltsstoffe enthalten Seealgen?
Mineralstoffe, Spurenelemente – vor allem Jod –, Polysaccharide wie Alginat, Carrageen und Agar sowie Proteine und Pigmente.
Warum ist Jod so wichtig?
Braunalgen reichern Jod stark an, und für Jod im Alleinfutter bestehen tierartspezifische Höchstwerte. Einzelheiten weiter unten.
Ist jede Alge gleich?
Nein. Grün-, Braun- und Rotalgen unterscheiden sich in Zusammensetzung und Jodgehalt erheblich.
Welche Bestandteile werden verwendet?
Die gesamte Alge in getrockneter und gemahlener Form.
Biologische Beschreibung
Seealgen sind vielzellige Algen, die im Meer wachsen und Photosynthese betreiben. Ihre Formen reichen von fadenförmig bis blattartig; große Braunalgen können mehrere Meter lang werden.
Unterschieden werden drei Gruppen: Grünalgen, Braunalgen und Rotalgen. Sie unterscheiden sich in ihren Pigmenten und in ihrer Zellwandchemie – Braunalgen bilden Alginate, Rotalgen Carrageen und Agar.
Anders als Landpflanzen besitzen Algen keine echten Wurzeln, Stängel oder Blätter. Was wie eine Wurzel aussieht, dient nur der Verankerung am Untergrund; Nährstoffe nehmen sie über die gesamte Oberfläche direkt aus dem Meerwasser auf.
Genau diese Aufnahmeweise erklärt die hohe Schwankungsbreite: Die Zusammensetzung spiegelt den Standort wider.
Inhaltsstoffe
Jod
Das bestimmende Element für die futtermittelrechtliche Einordnung. Braunalgen reichern Jod aus dem Meerwasser an; der Gehalt schwankt je nach Art und Herkunft um Größenordnungen.
Weitere Mineralstoffe
Unter anderem Calcium, Magnesium, Kalium und Natrium. Der Gesamtaschegehalt von Meeresalgen ist deutlich höher als bei Landpflanzen.
Polysaccharide
Alginate bei Braunalgen, Carrageen und Agar bei Rotalgen. Sie prägen die Zellwandstruktur und werden technisch als Verdickungsmittel genutzt.
Proteine und Pigmente
Weitere Bestandteile, deren Anteile stark von Art und Erntezeitpunkt abhängen.
Die Zusammensetzung schwankt bei diesem Rohstoff stärker als bei nahezu allen anderen dieses Lexikons. Angaben aus Einzelanalysen lassen sich nicht verallgemeinern.
Futtermittelrechtliche Einordnung in der EU: Jod
Für Jod im Alleinfutter bestehen tierartspezifische Höchstwerte. Das zuständige EFSA-Gremium hat die Verträglichkeit geprüft und nennt als tolerierte Gehalte im Alleinfutter: 3 Milligramm je Kilogramm für Pferde, 4 Milligramm je Kilogramm für Hunde und 5 Milligramm je Kilogramm für Katzen.
Für die Katze ist dieser Wert ausdrücklich als vorläufig gekennzeichnet, weil die verfügbaren Daten zur Jodverträglichkeit begrenzt sind.
Für Pferde und Hunde empfahl das Gremium eine Absenkung gegenüber den zuvor zugelassenen Gehalten. Diese Werte beziehen sich auf das Gesamtjod im Alleinfutter – unabhängig davon, ob es aus einem Zusatzstoff oder aus einem jodreichen Ausgangsmaterial wie Braunalgen stammt.
Praktische Folge für Mehrtier-Mischungen: Der niedrigste einschlägige Wert ist der maßgebliche, und das ist der für Pferde.
Diese Angaben dienen der Wissensvermittlung und stellen keine Aussage über ein bestimmtes Produkt dar.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegt eine umfangreiche Literatur vor, überwiegend zur Zusammensetzung und zu lebensmitteltechnologischen Fragestellungen. Diese Angaben beziehen sich auf den Menschen und dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Kontextualisierung.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Seealgen beim Pferd wurden nicht gefunden. Für Jod als Element liegt eine behördliche Verträglichkeitsbewertung vor, die das Pferd ausdrücklich einschließt und den niedrigsten der drei genannten Werte nennt.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Seealgen beim Hund wurden nicht gefunden. Für Jod liegt eine behördliche Bewertung vor.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Seealgen bei der Katze wurden nicht gefunden. Der für Katzen genannte Jodwert beruht auf begrenzter Datengrundlage und ist entsprechend als vorläufig gekennzeichnet.
Nutztiere
Die umfangreichste Fütterungsforschung betrifft Milchkühe. Untersuchungen zeigen, dass die Aufnahme von Knotentang den Jodgehalt der Milch in messbarem Umfang verändert. Diese Ergebnisse sind auf Pferd, Hund und Katze nicht übertragbar, belegen aber, wie unmittelbar sich Algenjod im Stoffwechsel niederschlägt.
Modellorganismen
Experimentelle Arbeiten betreffen überwiegend die chemische und strukturelle Charakterisierung. Sie sind nicht direkt übertragbar.
Traditionelle Nutzung
Seealgen werden seit Jahrhunderten genutzt, insbesondere in der Ernährung ost- und südostasiatischer Regionen sowie in Küstengebieten Nordeuropas.
In der Landwirtschaft dienten angeschwemmte Algen traditionell als Dünger und in Küstenregionen auch als Futterzusatz.
Diese Nutzung basiert auf überlieferten Erfahrungen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Scientific Opinion on the safety and efficacy of iodine compounds (E2) as feed additives for all species: calcium iodate anhydrous and potassium iodide
EFSA Journal. 2013
doi.org
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Assessment of the feed additives consisting of potassium iodide and calcium iodate anhydrous for all animal species for the renewal of their authorisation
EFSA Journal. 2025
doi.org
Assessing the potential of milk iodine intake to mitigate iodine deficiency via supplementation of Ascophyllum nodosum meal to dairy cows: A sensitivity analysis
Journal of Dairy Science. 2020
sciencedirect.com
Holdt SL, Kraan S
Bioactive compounds in seaweed: functional food applications and legislation
Journal of Applied Phycology. 2011
link.springer.com
