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Schafgarbe (Achillea millefolium) – Pflanzenkunde, Inhaltsstoffe & Einordnung für Pferd, Hund und Katze

Kurze Zusammenfassung

Die Schafgarbe (Achillea millefolium) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist auf weiten Teilen der Nordhalbkugel verbreitet und wächst bevorzugt auf Wiesen, Weiden und an Wegrändern.

Verwendet werden die getrockneten blühenden Triebspitzen. Das Europäische Arzneibuch fordert dafür einen Mindestgehalt an ätherischem Öl.

Eine Besonderheit macht die Schafgarbe zu einem der schwierigsten Kräuter dieses Lexikons: Was botanisch als Achillea millefolium gehandelt wird, umfasst mehrere Formen mit unterschiedlicher Chromosomenzahl – und diese unterscheiden sich stofflich grundlegend. Einzelheiten in der fachlichen Einordnung.

Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.

Fachliche Einordnung

Dieser Ratgeber wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Tierheilpraktikerin, unseren Beraterinnen und unserer Tierärztin Katrin Knecht erstellt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.

Botanisch gehört Achillea millefolium zu den typischen Wildpflanzen nährstoffarmer bis mäßig nährstoffreicher Standorte.

Für die Einordnung entscheidend ist die Frage der Chromosomensätze. Der zuständige europäische Fachausschuss beschreibt, dass zwei- und vierfache Formen sogenannte Proazulene enthalten, aus denen bei der Destillation blaugefärbtes Chamazulen entsteht – bis zu einem Viertel des Öls. Sechsfache Formen enthalten diese Verbindungen dagegen praktisch nicht.

Der Bericht zur Blüte geht noch weiter: Die eigentliche Schafgarbe gilt als sechsfache, azulenfreie Form, während nahe verwandte Arten wie die Hügel-Schafgarbe vierfach sind und hohe Azulenanteile aufweisen. Der Fachausschuss hält ausdrücklich fest, dass diese verwandten Arten möglicherweise als Achillea millefolium geliefert werden.

Praktische Folge: Bei diesem Kraut sagt der Name allein wenig über die Zusammensetzung aus.

FAQ

Was ist Schafgarbe?
Schafgarbe (Achillea millefolium) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Asteraceae.

Welche Inhaltsstoffe enthält die Pflanze?
Ätherisches Öl mit Mono- und Sesquiterpenen, Proazulene, Flavonoide, Bitterstoffe und Gerbstoffe.

Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Die getrockneten blühenden Triebspitzen; die Blüten werden zusätzlich getrennt geführt.

Woher kommt die blaue Farbe des Öls?
Chamazulen entsteht erst bei der Wasserdampfdestillation aus Vorstufen, den Proazulenen. In der frischen Pflanze kommt es nicht vor.

Gibt es eine Qualitätsanforderung?
Ja. Das Europäische Arzneibuch fordert mindestens 2 Milliliter ätherisches Öl je Kilogramm des getrockneten Materials.

Botanische Beschreibung

Die Schafgarbe ist eine mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und erreicht Wuchshöhen von etwa 20 bis 80 Zentimetern.

Sie ist in weiten Teilen der Nordhalbkugel verbreitet und wächst bevorzugt auf Wiesen, Weiden und an Wegrändern, auch auf mageren Böden.

Charakteristisch sind die fein mehrfach gefiederten Blätter, die der Pflanze ein federartiges Aussehen geben, sowie die weißen bis rosafarbenen Blütenköpfchen in dichten, schirmartigen Doldenrispen.

Der wissenschaftliche Name verweist auf zwei Merkmale: Der Gattungsname geht auf die Sagengestalt Achilles zurück, der Artname millefolium auf die zahlreichen Blattabschnitte. Im europäischen Sprachgebrauch war die Pflanze zudem als Herba Militaris bekannt.

Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl
Eine komplexe Mischung. Vergleichende Analysen von 19 Proben aus verschiedenen europäischen Ländern bestimmten unter anderem Alpha- und Beta-Pinen, Sabinen, Cineol, Campher, Borneol, Caryophyllen sowie Alpha- und Beta-Thujon.

Proazulene
Sesquiterpenlactone wie Achillicin und Achillin. Sie sind die Vorstufen des Chamazulens, das erst bei der Destillation entsteht. In sechsfachen Formen fehlen sie weitgehend.

Flavonoide
Bestandteile des Krauts und der Blüten.

Bitterstoffe und Gerbstoffe
Prägen den leicht bitteren Geschmack.

Die Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft, Chromosomensatz, Erntezeitpunkt und Verarbeitung erheblich. Der Azulenanteil im Öl wird in der Fachliteratur mit Spannen von wenigen bis zu mehreren Dutzend Prozent angegeben.

Wissenschaftliche Einordnung

Mensch
Der zuständige europäische Fachausschuss hat sowohl das Schafgarbenkraut als auch die Schafgarbenblüte bewertet; der Bericht zum Kraut liegt in überarbeiteter Fassung vor. Ergänzend existieren Übersichtsarbeiten zur Pflanzenchemie. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.

Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Schafgarbe beim Pferd wurden nicht gefunden.

Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Schafgarbe beim Hund wurden nicht gefunden.

Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Schafgarbe bei der Katze wurden nicht gefunden. Zudem wird bei ätherischen Ölen grundsätzlich eine differenzierte Betrachtung vorgenommen.

Modellorganismen
Experimentelle Arbeiten wurden überwiegend an Ratten und in Zellsystemen durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.

Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.

Einordnung: Korbblütler-Empfindlichkeit

Die Schafgarbe gehört zu den Korbblütlern. Innerhalb dieser Pflanzenfamilie sind Kreuzempfindlichkeiten bekannt; zur selben Familie zählen unter anderem Kamille, Löwenzahn, Artischocke, Echinacea, Goldrute und Mariendistel.

Diese Einordnung betrifft die Pflanzenfamilie und ist keine Aussage über ein bestimmtes Produkt. Bei Fragen zur Fütterung einzelner Tiere ist die tierärztliche Einschätzung maßgeblich.

Einordnung für den Turniersport

Die Schafgarbe ist in den Karenzzeiten-Regelungen des Pferdesports erfasst. Halter, die ihr Pferd auf Turnieren vorstellen, sollten das vor der Fütterung schafgarbenhaltiger Mischungen berücksichtigen.

Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.

Traditionelle Nutzung

Die Schafgarbe hat eine lange Tradition in der europäischen Pflanzenkunde. Historische Quellen beschreiben sie vor allem im Zusammenhang mit der äußerlichen Anwendung; darauf geht auch der überlieferte Beiname Herba Militaris zurück.

Die Blüte war früher zudem im US-amerikanischen Arzneibuch geführt und ist in der indischen Arzneibuchliteratur verzeichnet.

Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.

Wissenschaftliche Literatur

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Achillea millefolium L., herba, Revision 1
European Medicines Agency
ema.europa.eu

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Achillea millefolium L., flos
European Medicines Agency
ema.europa.eu

Ali SI et al.
Pharmacognosy, Phytochemistry and Pharmacological Properties of Achillea millefolium L.: A Review
Phytotherapy Research. 2017
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Salehi B et al.
Achillea spp.: A comprehensive review on its ethnobotany, phytochemistry, biological activities and applications
2020
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Veterinärmedizinische Phytodatenbank, Universität Zürich
Millefolii herba – Pflanzenprofil
Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie
vetpharm.uzh.ch