Kurze Zusammenfassung
Salbei (Salvia officinalis) ist ein mehrjähriger, verholzender Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.
Bestimmend für das ätherische Öl sind Thujon, Campher und Cineol. Diese drei dienen auch als analytische Kennstoffe.
Für die Einordnung entscheidend ist die Trennung von Blatt und Öl. Beide werden behördlich getrennt bewertet, und die Bewertungen fallen deutlich unterschiedlich aus. Einzelheiten in der fachlichen Einordnung.
Die futtermittelrechtliche Bewertung unterscheidet zudem stark nach Tierart: Für Katzen liegt der Wert bei einem Sechstel des Hundewerts.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Salbei gehört zur Gattung Salvia innerhalb der Lamiaceae. Zur selben Familie zählen Thymian, Oregano, Melisse, Lavendel und Pfefferminze.
Wesentlich ist die Unterscheidung zweier Erzeugnisse. Für das Salbeiblatt besteht eine europäische Monographie mit einer mengenmäßigen Begrenzung des Thujongehalts und einer zeitlichen Begrenzung der Anwendung. Für das Salbeiöl hat der zuständige Fachausschuss dagegen keine Monographie verabschiedet; er kam in einer eigenen öffentlichen Stellungnahme zu dem Ergebnis, dass die Nutzen-Risiko-Abwägung für das reine Öl negativ ausfällt.
Hinzu kommt eine Artabgrenzung: Neben dem Echten Salbei wird auch der Griechische Salbei (Salvia fruticosa) genutzt, dessen Ölprofil deutlich abweicht.
FAQ
Was ist Salbei?
Salbei (Salvia officinalis) ist ein mehrjähriger Halbstrauch aus der Familie der Lamiaceae.
Welche Inhaltsstoffe enthält Salbei?
Ätherisches Öl mit Thujon, Campher und Cineol, daneben Rosmarinsäure, Flavonoide und Gerbstoffe.
Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Die Blätter. Aus ihnen wird auch das ätherische Öl gewonnen; beide sind getrennt zu betrachten.
Was ist Thujon?
Ein natürlicher Bestandteil des ätherischen Öls, der in zwei Formen vorkommt und dessen Gehalt behördlich begrenzt ist. Einzelheiten weiter unten.
Gilt für Katzen dasselbe wie für Hunde?
Nein. Der behördlich bewertete Wert liegt für Katzen deutlich niedriger.
Botanische Beschreibung
Salbei ist ein mehrjähriger, an der Basis verholzender Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und erreicht Wuchshöhen von etwa 30 bis 80 Zentimetern.
Die Pflanze ist ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet und wächst bevorzugt an sonnigen, trockenen Standorten mit gut durchlässigen, kalkhaltigen Böden. Heute wird sie weltweit angebaut.
Charakteristisch sind die länglichen, graugrünen Blätter mit ihrer runzeligen Oberfläche und dichten Behaarung, die der Pflanze das samtige Aussehen gibt. Die Blüten sind violett bis blau und erscheinen in quirlig angeordneten, ährenförmigen Blütenständen.
Wie bei Lippenblütlern üblich ist der Stängel vierkantig; das ätherische Öl wird in Drüsenhaaren an der Blattoberfläche gespeichert.
Inhaltsstoffe
Thujon
Kommt in zwei Formen vor, als Alpha- und als Beta-Thujon. Salbeiöl ist durch vergleichsweise hohe Gehalte gekennzeichnet. Beide Formen dienen als analytische Kennstoffe.
Campher
Der dritte behördlich vorgesehene Kennstoff für die Prüfung von Salbeiöl.
Cineol
Ein weiteres Monoterpen des ätherischen Öls, das auch für Eukalyptus kennzeichnend ist.
Rosmarinsäure
Ein phenolischer Bestandteil der Blätter, der auch in Melisse und Pfefferminze vorkommt.
Flavonoide und Gerbstoffe
Weitere Bestandteile der Blätter, die nicht in das destillierte Öl übergehen.
Die Zusammensetzung schwankt je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und Gewinnungsverfahren erheblich. Vergleichende Analysen von Handelsproben zeigen deutliche Unterschiede zwischen Extraktion und Wasserdampfdestillation.
Einordnung: Thujon und die Trennung von Blatt und Öl
Thujon kommt in Salbei natürlicherweise vor. Der zuständige europäische Fachausschuss hat den Gehalt in Salbeiblatt-Zubereitungen mengenmäßig und zeitlich begrenzt: auf eine tägliche Aufnahme von 6,0 Milligramm je Person über höchstens zwei Wochen.
Für das reine Salbeiöl fiel die Bewertung anders aus. Da das Öl durch hohe Thujongehalte gekennzeichnet ist, sah der Fachausschuss bei Erzeugnissen aus reinem Öl ein hohes Risiko, die genannte Menge zu überschreiten. Er kam zu einer negativen Nutzen-Risiko-Abwägung und hat für Salbeiöl keine europäische Monographie verabschiedet.
Für die Einordnung praktisch bedeutsam: Salbeiblatt und Salbeiöl sind behördlich zwei verschiedene Dinge. Angaben zum einen lassen sich nicht auf das andere übertragen.
Diese Angaben dienen der Wissensvermittlung und stellen keine Aussage über ein bestimmtes Produkt dar.
Futtermittelrechtliche Einordnung in der EU
Salbeiöl aus den Blättern von Salvia officinalis wurde vom zuständigen EFSA-Gremium 2024 als sensorischer Zusatzstoff – also Aromastoff – für alle Tierarten bewertet.
Als sicher eingestuft wurden folgende Mengen im Alleinfutter: 10 Milligramm je Kilogramm für Pferde, 12 Milligramm je Kilogramm für Hunde und 2 Milligramm je Kilogramm für Katzen.
Der Katzenwert liegt damit bei einem Sechstel des Hundewerts. Das Gremium begründet das mit der verringerten Kapazität der Katze für den Glucuronsäure-Stoffwechselweg und fordert für diese Tierart einen fünffach größeren Sicherheitsabstand als sonst üblich.
Für die Prüfung des Zusatzstoffs sieht das europäische Referenzlabor die gaschromatographische Bestimmung von Campher sowie Alpha- und Beta-Thujon vor.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegt eine umfangreiche Datenlage vor, darunter Übersichtsarbeiten zur Pharmakologie sowie einzelne kontrollierte Studien. Der zuständige Fachausschuss hat die Bewertung für das Blatt vorgenommen, für das Öl eine gesonderte Stellungnahme veröffentlicht. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Salbei beim Pferd wurden nicht gefunden. Die futtermittelrechtliche Bewertung schließt das Pferd ausdrücklich ein.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Salbei beim Hund wurden nicht gefunden. Die futtermittelrechtliche Bewertung schließt den Hund ausdrücklich ein.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Salbei bei der Katze wurden nicht gefunden. Für die behördliche Einordnung siehe den vorstehenden Abschnitt.
Modellorganismen
Der Stoffwechsel des Thujons wurde an Mäusen, Ratten und teilweise Kaninchen sowie in Leberpräparaten untersucht. Die Fachliteratur hält fest, dass die Ergebnisse aus Reagenzglas- und Tierversuchen nicht zwingend übereinstimmen. Übertragbar auf Pferd, Hund oder Katze sind sie nicht.
Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.
Einordnung für den Turniersport
Salbei ist in den Karenzzeiten-Regelungen des Pferdesports erfasst. Halter, die ihr Pferd auf Turnieren vorstellen, sollten das vor der Fütterung salbeihaltiger Mischungen berücksichtigen.
Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.
Traditionelle Nutzung
Salbei gehört zu den klassischen Gewürz- und Aromapflanzen und ist in europäischen Kräuterwerken seit Jahrhunderten dokumentiert; behördliche Unterlagen führen Belegstellen bis in die 1930er Jahre zurück.
Der wissenschaftliche Name geht auf das lateinische Wort für heilen zurück.
Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of a feed additive consisting of an essential oil derived from the leaves of Salvia officinalis L. (sage oil) for use in all animal species
EFSA Journal. 2024
doi.org
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Public statement on Salvia officinalis L., aetheroleum (EMA/HMPC/41843/2009)
European Medicines Agency
ema.europa.eu
Ghorbani A, Esmaeilizadeh M
Pharmacological properties of Salvia officinalis and its components
Journal of Traditional and Complementary Medicine. 2017
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Perry NS et al.
Salvia officinalis – Übersichtsarbeit zur Pharmakologie
Journal of Ethnopharmacology. 2001
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
