Kurze Zusammenfassung
Die Passionsblume (Passiflora incarnata) ist eine mehrjährige, krautige Kletterpflanze aus der Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae). Sie stammt ursprünglich aus dem Südosten Nordamerikas und wird heute in verschiedenen Regionen kultiviert.
Verwendet werden die getrockneten oberirdischen Pflanzenteile. Analytisch bestimmend sind Flavonoide, für die das Europäische Arzneibuch einen Mindestgehalt festlegt.
Für Halter von Turnierpferden ist diese Pflanze besonders zu beachten: Sie zählt zu den Pflanzen mit strenger Einstufung im Pferdesport. Einzelheiten im entsprechenden Abschnitt.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Tierärztin Katrin Knecht für unsere Kräutermischung ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Botanisch gehört Passiflora incarnata zu einer Gattung mit mehreren hundert Arten, überwiegend aus tropischen und subtropischen Regionen. Für die Verwendung als Ausgangsmaterial ist ausschließlich Passiflora incarnata beschrieben – nicht die als Obstpflanze bekannte Maracuja (Passiflora edulis).
Wesentlich für die Einordnung ist die Schwankungsbreite. Der zuständige europäische Fachausschuss hält fest, dass die Zusammensetzung je nach Herkunft erheblich variiert, und zwar sowohl im Muster der Einzelstoffe als auch in ihrer Menge.
Das Europäische Arzneibuch fordert für das getrocknete Kraut einen Mindestgehalt von 1,5 Prozent Gesamtflavonoiden, berechnet als Vitexin; für den Trockenextrakt 2,0 Prozent.
FAQ
Was ist die Passionsblume?
Die Passionsblume (Passiflora incarnata) ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Passifloraceae.
Welche Inhaltsstoffe enthält die Pflanze?
Vor allem Flavonoide vom C-Glykosid-Typ, darunter Isovitexin, Isoorientin, Schaftosid und Vicenin-2.
Enthält die Passionsblume Alkaloide?
Nur in Spuren, wenn überhaupt. Der zuständige europäische Fachausschuss hält fest, dass die betreffenden Verbindungen in den meisten Handelswaren nicht nachweisbar sind.
Ist die Passionsblume dasselbe wie die Maracuja?
Nein. Die Maracuja ist eine andere Art derselben Gattung und wird als Obstpflanze genutzt.
Was ist bei Turnierpferden zu beachten?
Die Passionsblume unterliegt einer strengen Einstufung im Pferdesport. Einzelheiten weiter unten.
Botanische Beschreibung
Passiflora incarnata ist eine mehrjährige, krautige Kletterpflanze mit rankenden Sprossen. Sie kann mehrere Meter lang werden und klettert mit Hilfe von Sprossranken.
Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem Südosten Nordamerikas und wächst bevorzugt in warmen Klimazonen auf durchlässigen Böden.
Charakteristisch ist der auffällige, komplex gebaute Blütenbau mit einem Kranz fadenförmiger Nebenkronen-Anhängsel über den Kron- und Kelchblättern. Die Blätter sind meist dreilappig und wechselständig angeordnet.
Aus den Blüten entwickeln sich eiförmige Beerenfrüchte. Das Ausgangsmaterial kann neben Blättern und Sprossen auch Blüten und Früchte enthalten.
Inhaltsstoffe
Flavonoide
Die bestimmende Stoffgruppe. Es handelt sich überwiegend um C-Glykoside des Apigenins und Luteolins, unter anderem Isovitexin, Isoorientin, Schaftosid, Isoschaftosid, Vicenin-2 und Swertisin. Vitexin dient als Bezugssubstanz der Gehaltsbestimmung.
Beta-Carbolin-Alkaloide
Verbindungen wie Harman, Harmol und Harmalol werden in älterer Literatur genannt. Der zuständige europäische Fachausschuss ordnet sie als allenfalls in Spuren vorkommend ein und hält fest, dass sie in den meisten Handelswaren nicht nachweisbar sind.
Weitere phenolische Verbindungen
Ergänzen das Stoffprofil der oberirdischen Pflanzenteile.
Die Zusammensetzung schwankt herkunftsabhängig erheblich. Angaben zu einem bestimmten Auszug lassen sich nicht auf das getrocknete Kraut übertragen.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Der zuständige europäische Fachausschuss hat 2014 einen Bewertungsbericht zum Passionsblumenkraut vorgelegt. Die Einstufung erfolgt über die traditionelle Anwendung. Bemerkenswert ist die Einschätzung zur Wirkweise: Der Bericht hält ausdrücklich fest, dass diese derzeit nicht als geklärt gelten kann. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen und stellen keinen Wirknachweis für Tiere dar.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Passionsblume beim Pferd wurden nicht gefunden.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Passionsblume beim Hund wurden nicht gefunden.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Passionsblume bei der Katze wurden nicht gefunden.
Modellorganismen
Experimentelle Arbeiten wurden überwiegend an Nagern durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.
Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.
Einordnung: eine offene Frage der Stoffkunde
Ein Beispiel dafür, wie vorläufig die Kenntnis zu dieser Pflanze ist: 2004 wurde ein bis dahin unbekanntes Benzoflavon-Derivat als möglicher Kernbestandteil beschrieben. Der europäische Bewertungsbericht hält dazu fest, dass eine spätere Arbeitsgruppe die Isolierung dieser Substanz aus Pflanzenmaterial dreier verschiedener geografischer Herkünfte nicht wiederholen konnte. Die chemische Struktur gilt als nicht bekannt, Mengenangaben liegen nicht vor.
Diese Einordnung dient der Wissensvermittlung und ist keine Aussage über ein bestimmtes Produkt.
Einordnung für den Turniersport
Die Passionsblume unterliegt im Pferdesport einer strengen Einstufung. Für Pflanzen dieser Kategorie lässt sich keine verlässliche Karenzzeit angeben; die Anwendung gehört in turnierfreie Phasen.
Halter, die ihr Pferd auf Turnieren vorstellen, sollten das vor der Fütterung passionsblumenhaltiger Mischungen berücksichtigen. Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.
Traditionelle Nutzung
Die Passionsblume wurde von indigenen Bevölkerungsgruppen Nordamerikas genutzt und gelangte über spanische Reisende nach Europa. Der Name geht auf die Deutung des Blütenbaus durch christliche Missionare zurück, die darin Sinnbilder der Passionsgeschichte erkannten.
In Europa fand die Pflanze ab dem 17. Jahrhundert Eingang in Kräuterwerke; behördliche Unterlagen dokumentieren entsprechende Zubereitungen auf dem europäischen Markt.
Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Passiflora incarnata L., herba (EMA/HMPC/669738/2013)
European Medicines Agency. 2014
ema.europa.eu
Dhawan K, Dhawan S, Sharma A
Passiflora: a review update
Journal of Ethnopharmacology. 2004
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
