Kurze Zusammenfassung
Oregano (Origanum vulgare) ist eine mehrjährige, aromatische Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, wird er heute weltweit als Gewürz- und Kulturpflanze genutzt.
Bestimmend sind die phenolischen Monoterpene Carvacrol und Thymol. Ihr Anteil schwankt allerdings außerordentlich stark – was Oregano zu einem Kraut macht, bei dem die Herkunft mehr zählt als der Name.
Die futtermittelrechtliche Lage ist gut dokumentiert und unterscheidet deutlich nach Tierart: Für Katzen liegt der bewertete Wert bei einem Bruchteil des Hundewerts. Einzelheiten im entsprechenden Abschnitt.
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Botanisch gehört Origanum vulgare zu den typischen Pflanzen sonniger, trockener Standorte. Zur selben Pflanzenfamilie zählen Thymian, Salbei, Melisse, Lavendel und Bohnenkraut – allesamt Lippenblütler mit teils ähnlichen Inhaltsstoffen.
Für die Einordnung wesentlich ist eine Verwechslungsgefahr, die im Handel eine erhebliche Rolle spielt. Unter der Bezeichnung Oreganoöl werden zwei botanisch verschiedene Erzeugnisse geführt: das Öl aus Origanum vulgare und das sogenannte spanische Oreganoöl, das von einer anderen Art stammt, dem Kopfigen Thymian (Thymbra capitata). Beide wurden behördlich getrennt bewertet, mit deutlich unterschiedlichen Werten.
Hinzu kommt die Unterart-Frage: Ein Großteil der behördlichen Bewertungen bezieht sich auf Origanum vulgare subsp. hirtum, den griechischen Oregano, der deutlich carvacrolreicher ist als die mitteleuropäische Wildform.
FAQ
Was ist Oregano?
Oregano (Origanum vulgare) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Lamiaceae und wird als Gewürz- und Aromapflanze verwendet.
Welche Inhaltsstoffe enthält die Pflanze?
Carvacrol und Thymol als bestimmende Bestandteile des ätherischen Öls, daneben Flavonoide, Rosmarinsäure und Gerbstoffe.
Wie stark schwankt der Carvacrolgehalt?
Erheblich. In behördlichen Unterlagen werden für Oreganoöl Anteile von fünfzig bis über siebzig Prozent genannt; in einer geprüften Probe lagen Carvacrol und Thymol zusammen dagegen bei nur sieben Prozent.
Ist spanisches Oreganoöl dasselbe?
Nein. Es stammt von einer anderen Pflanzenart und wird behördlich getrennt bewertet.
Gilt für Katzen dasselbe wie für Hunde?
Nein. Der behördlich bewertete Wert liegt für Katzen bei einem Bruchteil des Hundewerts. Einzelheiten weiter unten.
Botanische Beschreibung
Oregano ist eine mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und erreicht Wuchshöhen von etwa 20 bis 70 Zentimetern.
Die Pflanze ist im Mittelmeerraum beheimatet, kommt aber auch in Mitteleuropa wild vor, wo sie unter dem Namen Dost bekannt ist. Sie wächst bevorzugt an sonnigen, trockenen Standorten mit durchlässigen, kalkhaltigen Böden.
Charakteristisch sind die kleinen, ovalen Blätter sowie die rosa bis violetten Blüten in lockeren, doldenartigen Blütenständen. Wie bei Lippenblütlern üblich ist der Stängel vierkantig; das ätherische Öl sitzt in Drüsenschuppen an der Blattoberfläche.
Innerhalb der Art werden mehrere Unterarten unterschieden, die sich im Ölprofil deutlich unterscheiden.
Inhaltsstoffe
Carvacrol
Der bestimmende Bestandteil carvacrolreicher Oreganoöle und zugleich der analytische Kennstoff, den die Behörde für die Prüfung vorsieht. Chemisch ein phenolisches Monoterpen.
Thymol
Ein Stellungsisomer des Carvacrols und ebenfalls phenolisches Monoterpen. Es prägt auch das Ölprofil des Thymians.
Weitere Terpene
In einer behördlich untersuchten Ölprobe ließen sich dreizehn Einzelbestandteile bestimmen, die zusammen über neunundneunzig Prozent des Öls ausmachten.
Rosmarinsäure, Flavonoide und Gerbstoffe
Weitere Bestandteile der Blätter, die nicht zum ätherischen Öl gehören.
Die Schwankungsbreite ist bei diesem Kraut besonders ausgeprägt. Eine behördliche Bewertung konnte nicht abgeschlossen werden, weil in der eingereichten Ölprobe rund dreißig Prozent der Zusammensetzung unbestimmt blieben.
Futtermittelrechtliche Einordnung in der EU
Oreganoöl aus Origanum vulgare ist in der EU als Futtermittelzusatzstoff geführt und wurde vom zuständigen EFSA-Gremium als sensorischer Zusatzstoff – also Aromastoff – bewertet.
Für ein Öl aus Origanum vulgare subsp. hirtum mit einem Carvacrolanteil von achtundsiebzig Prozent nennt das Gremium folgende Höchstmengen im Alleinfutter: 88 Milligramm je Kilogramm für Pferde, 106 Milligramm je Kilogramm für Hunde und 18 Milligramm je Kilogramm für Katzen.
Der Katzenwert liegt damit bei rund einem Sechstel des Hundewerts. Das Gremium begründet das ausdrücklich: Die Ausscheidung der Ölbestandteile erfolgt wesentlich über den Glucuronsäure-Stoffwechselweg, für den Katzen nur eine ungewöhnlich geringe Kapazität besitzen. Es legt deshalb einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor von fünf an.
Für das spanische Oreganoöl aus Thymbra capitata gelten eigene, deutlich niedrigere Werte: 30 Milligramm je Kilogramm für Pferde sowie 25 Milligramm je Kilogramm für Hunde und Katzen.
Die Angaben dienen der Wissensvermittlung und stellen keine Aussage über ein bestimmtes Produkt dar.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegt eine umfangreiche Literatur vor, überwiegend aus Laborversuchen zur chemischen Zusammensetzung und zu mikrobiellen Wechselwirkungen. Anders als für viele Kräuter dieses Lexikons existiert keine europäische Monographie zur arzneilichen Anwendung. Diese Angaben beziehen sich auf den Menschen oder auf Laborbedingungen und dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Einordnung.
Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Oregano beim Pferd wurden nicht gefunden. Die futtermittelrechtliche Bewertung schließt das Pferd ausdrücklich ein.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Oregano beim Hund wurden nicht gefunden. Die futtermittelrechtliche Bewertung schließt den Hund ausdrücklich ein und nennt für ihn die höchste der drei Mengen.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Oregano bei der Katze wurden nicht gefunden. Für die behördliche Einordnung siehe den vorstehenden Abschnitt.
Nutztiere
Der überwiegende Teil der tierbezogenen Untersuchungen betrifft Geflügel und Schweine, wo Oreganoöl als Futterzusatz breit erprobt ist. Diese Ergebnisse sind auf Pferd, Hund und Katze nicht übertragbar.
Modellorganismen
Weitere Arbeiten wurden in Zellsystemen und an Nagern durchgeführt. Auch sie sind nicht direkt übertragbar.
Traditionelle Nutzung
Oregano hat eine lange Tradition als Gewürz- und Aromapflanze und ist bereits in antiken Quellen beschrieben. Der Name geht auf griechische Wortbestandteile zurück, die sich mit Bergzierde übersetzen lassen.
Neben der kulinarischen Verwendung wurde Oregano auch in pflanzenkundlichen Zusammenhängen erwähnt.
Diese Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of an essential oil from Origanum vulgare ssp. hirtum (Link) Ietsw. for all animal species
EFSA Journal. 2019
efsa.europa.eu
EFSA-Gremium für Zusatzstoffe und Erzeugnisse oder Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP)
Safety and efficacy of a feed additive consisting of an essential oil derived from the flowering tops of Thymbra capitata (Spanish type origanum oil) for use in all animal species
EFSA Journal. 2024
efsa.europa.eu
Leyva-López N et al.
Essential Oils of Oregano: Biological Activity beyond Their Antimicrobial Properties
Molecules. 2017
doi.org
Burt S
Essential oils: their antibacterial properties and potential applications in foods – a review
International Journal of Food Microbiology. 2004
doi.org
