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Melisse (Melissa officinalis) – Pflanzenkunde, Inhaltsstoffe & Einordnung für Pferd, Hund und Katze

Kurze Zusammenfassung

Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie ist in Europa, Westasien und im Mittelmeerraum beheimatet und seit langer Zeit in der Pflanzenkunde beschrieben.

Im Zusammenhang mit der Fütterung von Pferden, Hunden und Katzen werden vor allem die Blätter betrachtet. Analytisch bestimmend ist die Rosmarinsäure; daneben enthält die Pflanze ätherisches Öl mit Citral und Citronellal.

Für den Menschen liegen klinische Studien vor. Der zuständige europäische Fachausschuss stuft die Pflanze gleichwohl allein über die traditionelle Anwendung ein – die vorliegende Datenlage reichte für eine weitergehende Einstufung nicht aus.

Kontrollierte Fütterungsstudien zu Melisse bei Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.

Fachliche Einordnung

Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.

Botanisch gehört Melissa officinalis zu den typischen Pflanzen warmer, sonniger Standorte. Zur selben Pflanzenfamilie zählen unter anderem Lavendel, Thymian, Salbei, Oregano und Pfefferminze.

Für die Einordnung wesentlich ist die Qualitätsanforderung an das Pflanzenmaterial: Das Europäische Arzneibuch fordert für getrocknete Melissenblätter einen Mindestgehalt an Rosmarinsäure. Damit ist eine analytisch prüfbare Kenngröße definiert, was bei den wenigsten Kräutern dieses Lexikons der Fall ist.

Ebenso zu unterscheiden sind die Zubereitungsformen. Der Fachausschuss führt geschnittene Blätter, Pulver, Flüssigextrakt, Tinktur und Trockenextrakte mit jeweils eigenen Angaben. Aufguss und Extrakt sind stofflich nicht dasselbe.

FAQ

Was ist Melisse?
Melisse (Melissa officinalis) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Lamiaceae.

Welche Inhaltsstoffe enthält die Pflanze?
Rosmarinsäure und weitere Kaffeesäurederivate, ätherisches Öl mit Citral und Citronellal, Flavonoide, Gerbstoffe sowie Triterpene wie Ursol- und Oleanolsäure.

Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Verwendet werden die Blätter.

Gibt es eine Qualitätsanforderung?
Ja. Das Europäische Arzneibuch fordert für die getrockneten Blätter einen Mindestgehalt an Rosmarinsäure von einem Prozent. In der Fachliteratur werden Gehalte bis zu sechs Prozent beschrieben.

Warum gibt es mehr Humanstudien als Tierstudien?
Die Forschung konzentriert sich überwiegend auf den Menschen. Kontrollierte Fütterungsstudien zu Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.

Botanische Beschreibung

Die Zitronenmelisse ist eine mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und erreicht Wuchshöhen von etwa 30 bis 80 Zentimetern.

Sie ist in Europa, Westasien und im Mittelmeerraum verbreitet und wächst bevorzugt an sonnigen bis halbschattigen Standorten mit nährstoffreichen Böden.

Charakteristisch sind die ovalen, leicht behaarten Blätter mit gekerbtem Rand und ihrem zitronenartigen Duft. Wie bei Lippenblütlern üblich ist der Stängel vierkantig, und die Blätter stehen kreuzgegenständig.

Die Blüten sind klein, weißlich bis blassviolett und erscheinen in den Sommermonaten. Sie gelten als ergiebige Bienenweide – darauf verweist der Gattungsname, der sich vom griechischen Wort für Honigbiene ableitet.

Inhaltsstoffe

Rosmarinsäure
Der analytisch bestimmende Bestandteil und zugleich Leitsubstanz der Qualitätsprüfung. Das Europäische Arzneibuch fordert mindestens ein Prozent in den getrockneten Blättern; die Fachliteratur nennt Gehalte bis zu sechs Prozent.

Weitere Kaffeesäurederivate
Phenolische Verbindungen, die das Stoffprofil der Blätter ergänzen.

Ätherisches Öl
Enthält vor allem Citral – ein Gemisch aus Geranial und Neral – sowie Citronellal und Geraniol. Diese Verbindungen prägen den zitronenartigen Duft und kommen ebenso in Citronella vor. Der Ölgehalt der Blätter ist gering.

Flavonoide und Gerbstoffe
Weitere Bestandteile der Blätter.

Triterpene
Beschrieben werden unter anderem Ursolsäure und Oleanolsäure.

Der Ölgehalt schwankt je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und Trocknung erheblich. Getrocknete Ware verliert einen Teil der flüchtigen Bestandteile.

Wissenschaftliche Einordnung

Mensch
Für den Menschen liegen klinische Studien und Übersichtsarbeiten vor, unter anderem eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von 2021. Bemerkenswert ist dennoch die behördliche Einstufung: Der zuständige europäische Fachausschuss hat die Melissenblätter 2013 bewertet und ordnet sie allein über die traditionelle Anwendung ein. Als Anwendungsgebiete nennt er milde Stresssymptome, Einschlafhilfe und leichte Magen-Darm-Beschwerden. Die vorliegende klinische Datenlage reichte für eine weitergehende Einstufung nicht aus. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen.

Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Melisse beim Pferd wurden nicht gefunden.

Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Melisse beim Hund wurden nicht gefunden.

Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Melisse bei der Katze wurden nicht gefunden. Zudem wird bei ätherischen Ölen grundsätzlich eine differenzierte Betrachtung vorgenommen.

Modellorganismen
Experimentelle Arbeiten zu Inhaltsstoffen der Melisse wurden überwiegend in Zellsystemen und an Nagern durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.

Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.

Einordnung für den Turniersport

Melisse ist in den Karenzzeiten-Regelungen des Pferdesports erfasst. Halter, die ihr Pferd auf Turnieren vorstellen, sollten das vor der Fütterung melissehaltiger Mischungen berücksichtigen.

Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.

Traditionelle Nutzung

Melisse hat eine lange Tradition in der europäischen Pflanzenkunde und ist in Kräuterwerken seit Jahrhunderten dokumentiert. Der behördliche Bewertungsbericht führt Belegstellen aus Handbüchern bis zurück ins Jahr 1938 an.

Neben der Verwendung als Aufguss ist Melisse als Küchenkraut und als Bienenweide etabliert.

Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.

Wissenschaftliche Literatur

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Melissa officinalis L., folium (EMA/HMPC/196746/2012)
European Medicines Agency. 2013
ema.europa.eu

Petrisor G et al.
Melissa officinalis: Composition, Pharmacological Effects and Derived Release Systems
International Journal of Molecular Sciences. 2022
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Ghazizadeh J et al.
The effects of lemon balm (Melissa officinalis L.) on depression and anxiety in clinical trials: A systematic review and meta-analysis
Phytotherapy Research. 2021
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Kennedy DO et al.
Modulation of mood and cognitive performance following acute administration of Melissa officinalis
Pharmacology Biochemistry and Behavior. 2002
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov