Kurze Zusammenfassung
Die Mariendistel (Silybum marianum) ist eine ein- bis zweijährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und zählt zu den bekanntesten Wildpflanzen trockener Standorte. Sie fällt durch ihre weiß geäderten Blätter sowie ihre violetten Blütenstände auf.
Im Zusammenhang mit der Fütterung von Pferden, Hunden und Katzen wird die Mariendistel vor allem aufgrund ihrer Flavonolignane betrachtet, die unter dem Sammelbegriff Silymarin zusammengefasst werden.
Anders als bei den meisten Kräutern dieses Lexikons liegt hier eine echte Fütterungsstudie am Pferd vor – mit konkreten Mengenangaben. Einzelheiten in der wissenschaftlichen Einordnung.
Ein Punkt ist bei dieser Pflanze durchgängig zu beachten: die Zugehörigkeit zu den Korbblütlern.
Fachliche Einordnung
Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.
Botanisch gehört die Mariendistel zu den typischen Pflanzen sonniger, trockener und nährstoffreicher Standorte. Sie ist häufig auf Brachflächen, an Wegrändern und in offenen Landschaften zu finden.
Für die Einordnung wesentlich ist ein Punkt, der bei dieser Pflanze besonders ins Gewicht fällt: Silymarin ist kein einheitlicher Stoff, sondern ein Gemisch mehrerer Flavonolignane. Deren Verhältnis zueinander schwankt zwischen Herkünften erheblich; die Fachliteratur beschreibt für Wildpopulationen mehrere stabile Chemotypen. Zwei Mariendistel-Erzeugnisse mit gleichem Silymaringehalt können daher unterschiedlich zusammengesetzt sein.
Ebenso zu unterscheiden sind ganze Früchte, entölter Presskuchen und standardisierter Extrakt.
FAQ
Was ist Mariendistel?
Mariendistel (Silybum marianum) ist eine Pflanze aus der Familie der Asteraceae, die durch ihre weiß marmorierten Blätter und violetten Blütenköpfe auffällt.
Was ist Silymarin?
Kein einzelner Stoff, sondern ein Gemisch von Flavonolignanen, darunter Silybin, Isosilybin, Silychristin und Silydianin. Silybin stellt in der Fachliteratur den größten und am besten untersuchten Anteil.
Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Verwendet werden die Früchte, umgangssprachlich als Samen bezeichnet. Silymarin ist dort am höchsten konzentriert.
Gibt es Untersuchungen an Tieren?
Ja. Für das Pferd liegt eine Fütterungsstudie zur Verdaulichkeit vor. Für Hund und Katze wurden keine kontrollierten Fütterungsstudien gefunden.
Was ist bei Korbblütlern zu beachten?
Innerhalb dieser Pflanzenfamilie sind Kreuzempfindlichkeiten bekannt. Einzelheiten im entsprechenden Abschnitt.
Botanische Beschreibung
Die Mariendistel (Silybum marianum) ist eine ein- bis zweijährige, krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und kann Wuchshöhen von bis zu 150 Zentimetern erreichen.
Sie ist in Europa, Nordafrika und Westasien verbreitet und wächst bevorzugt auf sonnigen, trockenen Standorten mit nährstoffreichen Böden.
Charakteristisch sind die großen, stacheligen Blätter mit auffälligen weißen Marmorierungen entlang der Blattadern, auf die auch der deutsche Name zurückgeht. Die kräftigen, violetten Blütenköpfe erscheinen in den Sommermonaten.
Aus den Blüten entwickeln sich die Früchte mit einem Haarkranz, botanisch Achänen. Sie stellen den für die Verwendung maßgeblichen Pflanzenteil dar.
Inhaltsstoffe
Silymarin
Der Sammelbegriff für den Flavonolignan-Komplex der Früchte. Er umfasst Silybin, Isosilybin, Silychristin und Silydianin. Die Fachliteratur beschreibt Silybin als den mengenmäßig größten und am besten untersuchten Bestandteil.
Weitere phenolische Verbindungen
Neben den Flavonolignanen enthalten Mariendistelerzeugnisse einen chemisch weniger genau beschriebenen Anteil polymerer und oxidierter Polyphenole.
Flavonoide
Unter anderem Quercetin.
Fettes Öl
Die Früchte sind ölhaltig; im entölten Presskuchen liegen Protein- und Faseranteil entsprechend höher.
Silymarin ist in der gesamten Pflanze nachweisbar, jedoch in Früchten und Samen am höchsten konzentriert.
Wissenschaftliche Einordnung
Mensch
Für den Menschen liegt eine umfangreiche Studienlage vor, überwiegend zu Lebererkrankungen. Die Ergebnisse sind allerdings weniger eindeutig, als der Umfang der Literatur vermuten lässt: Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2002 wertete vierzehn Studien aus und fand für die Sterblichkeit keinen statistisch bedeutsamen Unterschied gegenüber einem Scheinpräparat. Der zuständige europäische Fachausschuss hat 2018 einen eigenen Bewertungsbericht zur Mariendistelfrucht vorgelegt. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Menschen.
Pferd
Für das Pferd liegt eine Fütterungsstudie vor. Fünf Stuten erhielten unter gleichen Haltungs- und Rationsbedingungen abgestufte Tagesmengen an Mariendistel-Presskuchen von null bis 700 Gramm. Untersucht wurden die Verdaulichkeit der Flavonolignane sowie von Energie, Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Calcium und Phosphor, dazu das Plasmaprofil. Die Verdaulichkeit der Flavonolignane stieg mit der Tagesmenge an und blieb bei 700 Gramm auf gleichem Niveau. Die Arbeit betrifft die Verdaulichkeit, nicht die Wirksamkeit; die Tierzahl ist klein. Daneben existiert eine Untersuchung an isolierten Blutzellen vom Pferd.
Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Mariendistel beim Hund wurden nicht gefunden.
Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zur Mariendistel bei der Katze wurden nicht gefunden.
Weitere Tierarten
Zur Verwendung bei Nutz- und Heimtieren liegt eine eigene Übersichtsarbeit vor. Untersuchungen existieren unter anderem am Schwein, das wegen seines Leberaufbaus als übertragungsnahes Modell gilt. Auf Pferd, Hund und Katze sind diese Ergebnisse nicht unmittelbar übertragbar.
Modellorganismen
Der überwiegende Teil der experimentellen Arbeiten wurde an Nagern durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Haustiere übertragbar.
Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.
Einordnung: Korbblütler-Empfindlichkeit
Die Mariendistel gehört zu den Korbblütlern. Innerhalb dieser Pflanzenfamilie sind Kreuzempfindlichkeiten bekannt; zur selben Familie zählen unter anderem Kamille, Löwenzahn, Artischocke, Echinacea und Goldrute.
Diese Einordnung betrifft die Pflanzenfamilie und ist keine Aussage über ein bestimmtes Produkt. Bei Fragen zur Fütterung einzelner Tiere ist die tierärztliche Einschätzung maßgeblich.
Traditionelle Nutzung
Die Mariendistel hat eine lange Tradition in der europäischen Pflanzenkunde und ist seit der Antike in Schriftquellen belegt. Der deutsche Name geht auf eine christliche Legende zurück, die die weißen Blattadern deutet.
Zubereitungen aus der Pflanze sind in Europa seit dem späten 20. Jahrhundert breit verfügbar.
Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.
Wissenschaftliche Literatur
Die folgenden Arbeiten stammen überwiegend aus der Human- und Nutztierforschung. Sie werden hier ausschließlich zur wissenschaftlichen Einordnung der Pflanze aufgeführt.
Dockalova H, Zeman L, Baholet D, Batik A, Skalickova S, Horky P
Dose Effect of Milk Thistle (Silybum marianum) Seed Cakes on the Digestibility of Nutrients, Flavonolignans and the Individual Components of the Silymarin Complex in Horses
Animals. 2021
doi.org
Use of Milk Thistle in Farm and Companion Animals: A Review
Planta Medica. 2022
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Jacobs BP, Dennehy C, Ramirez G, Sapp J, Lawrence VA
Milk thistle for the treatment of liver disease: a systematic review and meta-analysis
The American Journal of Medicine. 2002
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Abenavoli L, Capasso R, Milic N, Capasso F
Milk thistle in liver diseases: past, present, future
Phytotherapy Research. 2010
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
Abenavoli L et al.
Milk thistle (Silybum marianum): A concise overview on its chemistry, pharmacological, and nutraceutical uses in liver diseases
Phytotherapy Research. 2018
pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
