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Mädesüß (Filipendula ulmaria) – Pflanzenkunde, Inhaltsstoffe & Einordnung für Pferd, Hund und Katze

Kurze Zusammenfassung

Mädesüß (Filipendula ulmaria) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und zählt zu den typischen Arten feuchter Standorte. Charakteristisch sind die cremeweißen Blütenstände und der ausgeprägte Duft.

Im Zusammenhang mit der Fütterung von Pferden, Hunden und Katzen wird Mädesüß vor allem aufgrund seiner Salicylatverbindungen betrachtet. Diese sind zugleich der Grund, warum bei dieser Pflanze eine tierartliche Unterscheidung wichtig ist.

Zur Datenlage hält der zuständige europäische Fachausschuss ausdrücklich fest, dass klinische Daten am Menschen nicht vorliegen. Die Einstufung erfolgt allein auf Grundlage der traditionellen Anwendung.

Kontrollierte Fütterungsstudien zu Mädesüß bei Pferd, Hund und Katze wurden nicht gefunden.

Fachliche Einordnung

Diese Pflanze wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen unserer Gründerin und Tierheilpraktikerin Nehls für unsere Kräutermischungen ausgewählt. Grundlage sind über zwei Jahrzehnte praktische Begleitung und fachliche Einordnung.

Botanisch gehört Filipendula ulmaria zu den typischen Pflanzen feuchter Standorte und ist häufig an Uferzonen, in Gräben und auf Feuchtwiesen anzutreffen.

Für die Einordnung wesentlich ist die Unterscheidung zweier Ausgangsmaterialien: Mädesüßkraut umfasst die getrockneten blühenden Sprossspitzen und ist im Europäischen Arzneibuch geführt. Für die reinen getrockneten Blüten existiert dagegen keine Arzneibuch-Monographie; ihre Beschreibung stützt sich auf ältere Fachwerke. Beide werden behördlich gemeinsam bewertet, sind aber nicht identisch.

Der frühere Gattungsname Spiraea ist bis heute in behördlichen Unterlagen als Synonym geführt und begegnet dem Leser gelegentlich im Handel.

FAQ

Was ist Mädesüß?
Mädesüß (Filipendula ulmaria) ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Rosaceae.

Welche Inhaltsstoffe enthält Mädesüß?
Salicylatverbindungen wie Salicylaldehyd und Methylsalicylat sowie deren Vorstufen, daneben Flavonoide, Gerbstoffe und ätherisches Öl.

Welche Pflanzenteile werden verwendet?
Die blühenden Sprossspitzen sowie die Blüten. Arzneibuchqualität ist nur für das Kraut definiert.

Woher kommt der Bezug zur Salicylsäure?
Die Pflanze war eine der ersten Quellen, aus denen salicylathaltige Verbindungen gewonnen wurden. Der frühere Gattungsname Spiraea ist im Wortbestandteil von Aspirin bis heute erhalten.

Ist bei Katzen etwas zu beachten?
Salicylate werden von Katzen langsamer ausgeschieden als von anderen Säugetieren. Näheres im Abschnitt zur wissenschaftlichen Einordnung.

Botanische Beschreibung

Mädesüß (Filipendula ulmaria) ist eine mehrjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Rosaceae und kann Wuchshöhen von bis zu 150 Zentimetern erreichen.

Die Pflanze ist in Europa und Teilen Asiens verbreitet und wächst bevorzugt auf feuchten Wiesen, an Bachufern, in Gräben und auf nährstoffreichen Böden.

Charakteristisch sind die unpaarig gefiederten Blätter mit deutlich größerem Endblättchen sowie die dichten, cremeweißen Blütenstände mit intensivem Duft. Die Blütezeit liegt in den Sommermonaten.

Die Blätter sind unterseits meist weißfilzig behaart – ein Merkmal, das die Art im Bestand erkennbar macht.

Inhaltsstoffe

Salicylatverbindungen
Im Vordergrund stehen Salicylaldehyd und Methylsalicylat sowie deren glykosidische Vorstufen. Analysen von Mädesüß-Aufgüssen weisen Methylsalicylat und Salicylaldehyd durchgängig als dominierende Bestandteile des ätherischen Öls aus.

Flavonoide
Unter anderem Quercetin- und Kämpferol-Derivate, teils mit Galloyl-Anteilen.

Gerbstoffe
Bestandteile, die zum adstringierenden Charakter beitragen.

Ätherisches Öl
Analysen von Mädesüß-Zubereitungen unterscheiden mehrere Dutzend Einzelverbindungen, darunter einfache Phenole, Monoterpene und Sesquiterpene.

Polysaccharide
In den Blüten beschrieben, überwiegend vom Galactan- und Arabinogalactan-Typ.

Die Zusammensetzung schwankt zwischen Kraut und Blüte sowie je nach Herkunft erheblich.

Wissenschaftliche Einordnung

Mensch
Der zuständige europäische Fachausschuss hat 2011 einen gemeinsamen Bewertungsbericht zu Mädesüßkraut und Mädesüßblüte verabschiedet und ihn 2020 durch ein Addendum ergänzt. Der Bericht hält ausdrücklich fest, dass klinische Daten am Menschen nicht vorliegen; die Einstufung erfolgt allein auf Grundlage der traditionellen Anwendung. Als Gegenanzeige nennt die Monographie die Überempfindlichkeit gegenüber Salicylaten. Der Europarat führt Mädesüßkraut zudem als natürliche Quelle eines Lebensmittelaromas, das Lebensmitteln in kleinen Mengen zugesetzt werden darf.

Pferd
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Mädesüß beim Pferd wurden nicht gefunden.

Hund
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Mädesüß beim Hund wurden nicht gefunden.

Katze
Kontrollierte Fütterungsstudien zu Mädesüß bei der Katze wurden nicht gefunden. Gut dokumentiert ist dagegen, dass Katzen Salicylate deutlich langsamer ausscheiden als andere Säugetiere. Die veterinärpharmakologische Fachliteratur diskutiert die Ursachen dafür kontrovers – die häufig genannte eingeschränkte Glucuronidierung erklärt den Befund nach neuerer Auffassung nicht allein –, die verlangsamte Ausscheidung selbst ist jedoch unbestritten.

Modellorganismen
Experimentelle Arbeiten zu Filipendula ulmaria wurden überwiegend in Zellsystemen und an Nagern durchgeführt. Diese Ergebnisse sind nicht direkt auf Pferd, Hund oder Katze übertragbar.

Grundsätzlich gilt, dass Erkenntnisse aus Humanstudien und experimentellen Modellen nicht unmittelbar auf Tiere übertragen werden können.

Einordnung für den Turniersport

Mädesüß ist in den Karenzzeiten-Regelungen des Pferdesports erfasst, und zwar aufgrund seiner Salicylatverbindungen mit einer mehrtägigen Frist. Halter, die ihr Pferd auf Turnieren vorstellen, sollten das vor der Fütterung mädesüßhaltiger Mischungen berücksichtigen.

Hintergründe und die vollständige Pflanzenübersicht: ADMR und FEI – Karenzzeiten im Turniersport. Die Verantwortung vor einem Turnierstart liegt beim Halter.

Traditionelle Nutzung

Mädesüß hat eine lange Tradition in der europäischen Pflanzenkunde. Der Pflanze kommt dabei eine besondere pharmaziehistorische Rolle zu: Sie zählte im 19. Jahrhundert zu den Ausgangsstoffen, aus denen salicylathaltige Verbindungen isoliert wurden. Der alte Gattungsname Spiraea ist im Wortbestandteil von Aspirin bis heute erhalten.

Daneben wurde Mädesüß historisch als Würz- und Aromapflanze beschrieben, unter anderem zum Aromatisieren von Getränken – worauf der deutsche Name verweist.

Diese traditionelle Nutzung bezieht sich auf den Menschen, basiert auf überliefertem Erfahrungswissen und stellt keine wissenschaftliche Wirkaussage dar.

Wissenschaftliche Literatur

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Assessment report on Filipendula ulmaria (L.) Maxim., herba and Filipendula ulmaria (L.) Maxim., flos (EMA/HMPC/434892/2010)
European Medicines Agency. 2011
ema.europa.eu

Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Europäische Arzneimittel-Agentur
Addendum to Assessment report on Filipendula ulmaria (L.) Maxim., herba (EMA/HMPC/595722/2019)
European Medicines Agency. 2020
ema.europa.eu

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